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Web-Aktivismus in Kenia

Ende letzten Jahres kam es in Kenia zu Präsidentschaftswahlen und im Nachgang zu großen Unruhen. Der Wahltag hatte noch sehr hoffnungsvoll angefangen. Kenianische Blogger begleiteten mit Wort und Bild den Wahltag und es sah so aus, als ob die Wahlen friedlich vonstatten gehen könnten und ein demokratischer Wechsel möglich wäre. Doch nachdem bekannt wurde, dass der Amtsinhaber voraussichtlich verloren hatte, kam es im Anschluß zu gewaltsamen Auseinandersetzungen.

Schnell breiteten sich die Proteste landesweit aus. Dabei verlief der Konflikt nicht mehr zwischen den Lagern der Präsidentschaftskandidaten alleine. Die Ausnahmesituation führte auch zu Vertreibungen in dem multi-ethnischen Land. Eine Unterbrechung der Berichterstattung (“Media Blackout”) machte die Lage vollends unübersichtlich. In diesen Tagen bildeten viele engagierte Blogger die einzige Gegenöffentlichkeit, wie auch kurz zuvor in Burma.

Doch meistens beschränkten sich die Berichterstattung auf Nairobi. Das veranlasste einige engagierte Aktivisten, wie Daudi Were, Erik Hersam, Juliana Rotich und Ory Okolloh neue Möglichkeiten von Informationstechnologien zu nutzen, um ein wenig Licht in diese dunklen Wochen zu bringen. Die Idee war einfach und genial: Mit Hilfe von Mobiltelefonen und dem Web einen kollektiven Informationsdienst aufzubauen.

Während nur ein Bruchteil der Kenianer einen Internetzugang hat, besitzt die Mehrheit ein Mobiltelefon. So können Kenianer über SMS aus dem ganzen Land von Zwischenfällen berichten, die direkt auf einer Webseite in einer Karte publiziert werden (Mashup). Die Angaben können direkt kommentiert und widerlegt werden. So kann jeder Internetnutzer auf Ushahidi.com transparent sehen, was gerade und in letzter Zeit geschehen ist. Gleiches wurde auch während der Wahlen in Simbabwe vor kurzem genutzt.

Faszinierend an dieser Idee sind gleich mehrere Dinge. Erstens nutzt die Anwendung geschickt neue Technologien, die auch in Afrika einer Vielzahl zur Verfügung stehen. Zweitens entsteht hier eine Gegenöffentlichkeit, bei der sich jeder engagieren kann. Diese kollektive Nutzung schafft ein einzigartiges Potential für Informationsdienste gerade in Krisensituationen und im Einsatz für Menschenrechte. Drittens zeigt es das Potential und eine neue Dimension von Grasswurzel Engagement.

Außer Frage steht natürlich, dass dies ein erstes Experiment darstellt und noch zu prüfen ist, inwieweit hier der Schutz vor Missbrauch gewährleistet werden kann. Doch diese Nutzung von Informationstechnologie zeigt den Innovationsgeist in Afrika und die langsame Verschiebung der Informationshoheit zugunsten der Bürger.

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