Leise vollzieht sich in Afrika eine kleine Revolution. Während hierzulande verzweifelt neue Geschäftskonzepte für Mobiltelefonen gesucht werden, ist das Mobiltelefon in Afrika längst eine vielseitiges Instrument des Alltags geworden. In Kenia kann man mit dem Handy die Taxirechnung bezahlen, in Nigeria bekommen Interessenten die neuesten Stellenanzeigen per SMS und die Ergebnisse der letzten Wahlen in Zimbabwe konnten, Dank koordinierter Wahlbeobachtung und SMS, bereits Stunden später bekannt gegeben werden. In Afrika führt das Mobiltelefon zu unterschiedlichsten neuen Geschäftsfeldern und ist ein strategische Instrument für politischen Aktivismus geworden. So nutzen ägyptische Aktivisten seit Jahren das Internet und Mobiltelefone, um sich im Engagement für Menschenrechte, zu koordinieren und zu engagieren. Per Handy vernetzen sich Aktivisten in Echtzeit und Videos von Folterungen sind gleich im Internet abrufbar. Mobile afrikanische Reporter berichten per Video und Audio von Orten, wie Slums, und Themen und erschließen eine neue Öffentlichkeit. Langsam gelingt ein Brückenschlag mit dem Internet. Die ohnehin boomende afrikanische Blogosphäre nutzt nun auch Mobiltelefone zur Berichterstattung und setzt auch auf lokale Sprache wie Swahili.
Das Mobiltelefon ist für Aktivisten ein Allzweckinstrument zur Mobilisierung von Anhängern oder der Organisation von Kampagnen. Manche afrikanische Staaten sehen dies als ernst zunehmende Bedrohung und filtern und überwachen die Kommunikation per Mobiltelefon. Doch kein Kontinent hat eine schnell wachsendere Nutzergemeinde. In Tansania haben schon über 90% der Bevölkerung Zugang zu einem Mobiltelefon, wo früher kilometerweit kein Telefon war. Doch in Afrika bleibt das Mobiltelefon nicht auf das Telefonieren beschränkt. In den letzten Jahren ist ein wahrer Erfindergeist rund um das Mobiltelefon ausgebrochen, trotz der vielen Widrigkeiten, wie der hohen Preise und der oftmals fehlenden Elektrizität für das Aufladen der Batterie. Mit dem Mobiltelefon werden Nutzer nicht nur passive Empfänger von Informationen, sondern beteiligen sich viel einfacher an öffentlichen Debatten wie im Radio oder engagieren sich für mehr Transparenz.
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