Transparency Korruptions-Index 2008

Transparency International hat vor einigen Tagen seinen jährlichen Korruptionsindex vorgestellt. Super Sache, denn die Medien lieben handliche Rankings und berichten aus diesem Anlass zumindest einmal im Jahr über Korruption; zumal sich Transparency International darum bemüht, auch den wichtigen Zusammenahng zwischen niedrigeren FDI (und Wirtschaftswachstum) und Korruption darzustellen.

Man muss den Index aber auch zu lesen wissen, wie das Beispiel Thailand zeigt. In den letzten Jahren der Regierung des ehemaligen Telekom-Tycoons und Premiers Thaksin hat sich Thailand auf dem Korruptions-Index verbessert, wie man dem sehr zu empfehlenden Band Thai Capital after the 1997 Crisis (hrsg. von Chris Baker und Pasuk Phongpaichit) entnehmen kann.

Thaksin hat sein Vermögen in den 90er Jahren gemacht. Sein Telekom-Unternehmen hat über etwa fünf Jahre Milliarden windfall profits einstreichen können, weil die Regulierungsbehörde (TOT), von der er eine Lizenz erworben hatte, andere Unternehmen zu hohen interconnectivity fees zwang (das sind die Gebühren, die Telekom-Unternehmen anderen in Rechnung stellen, wenn deren Nutzer ihr Netz benutzen). In der Telekom-Branche hängen wie in sonst fast keiner anderen Branche die Margen von sehr wenigen Stellschrauben ab, die der Regulierer festsetzt.

Ende der 90er kam Thaksins Geschäftsmodell dann durch stärkeren Druck internationaler Konkurrenz und eine Reform der Regulierung in Bedrängnis. Also ging er in die Politik, um die Regulierung weiterhin zu seinen Gunsten steuern zu können (und die regionale Expansion seiner Unternehmen mit dem Amt des Premiers zu unterstützen).

Da er also seine Geschäfte an höchster Stelle abgesichtert hatte, konnte er seine Wahlkampfversprechen umsetzen, und gegen die Korruption im Verwaltungsapparat angehen. Also verbesserte sich Thailand im Index von TI, der anhand von Befragungen ausländischer Geschäftsleute vor allem diese Bestechlichkeit von gatekeepern in der Verwaltung darstellt. (Die jüngsten Demonstrationen gegen Thaksins Nachfolger zeigen, dass das Volk das durchschaut hat.)

Ich frage mich auch, ob der Index nicht prinzipiell Schwellenländer mit ihrer geringen Rechtstaatlichkeit benachteiligt. Korruption ist da viel offensichtlicher als im Westen, während es hier wegen der größeren (politischen) Rechenschaftspflicht der Verwaltung oft nur Branchenkenner etwas von ihr mitbekommen. In Deutschland werden nur wenige Prozent aller Schmiergeldzahlungen bekannt/geahndet. Daher frage ich mich, ob es um die europäischen Länder in Sachen Korruption wirklich soviel besser als in Entwicklungsländern bestellt ist, wie der Index suggeriert.

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