“Startup and change the world – Guide for Young Social Entrepreneurs” heißt eine Publikation, die vor kurzem durch die Initiative Youth Social Enterprise Initiative erschienen ist. Das Buch ist von den beiden Thailändern Dev Appanah und Sunit Shrestha geschrieben. Es geht um Social Entrepreneurs, die sich für das Gemeinwohl engagieren – das Ganze mit Geschäftsinn, so dass so ein Projekt auch langfristig von alleine läuft. Soviel zur Theorie, aber klappt so was auch einfach? Eine Organisation, die das seit Jahrzehnten unter Beweis stellt, ist Ashoka, die weltweit Pioniere gemeinnütziger Projekte unterstützt, die oftmals mit bescheidenen Mitteln beeindruckende Ergebnisse erreicht haben.
Sei es eine für anfangs unrealistisch gehaltene und staatlich nicht unterstützte Elektrifizierung für mittellose Bauern in Brasilien, oder erschwingliche Augenoperationen in den ländlichen Gebieten Indiens. Das Buch liefert dazu eine Reihe interessanter Projektbeispiele. Ein Schlüssel sind die eigenen lokalen Ideen, die von der Bevölkerung mitgetragen werden.
Große Hoffnung aller Orten wird auf diese kreativen und durchsetzungsfähigen Leute gesetzt, weil die traditionelle staatliche Unterstützung die vielfältigen Probleme nicht alleine angehen kann oder will. Fürsprecher von Social Entrepreneurship halten nur wirtschaftlich solide – also finanziell selbst tragende Projekte – für realistisch. Denn ein Problem der Entwicklungszusammenarbeit ist, dass ein Projekt am Ende ist, sobald der Geldhahn versiegt. Doch Kritiker halten es für fragwürdig, ob die Konzentration auf einzelne Pioniere und deren Initiaitven sinnvoll ist und große Veränderungen schaffen kann.
Die Geschichten der Social Entrepreneurs sind mitreißend und die Ergebnisse oftmals beeindruckend, wie auch das Buch “How to Change the World: Social Entrepreneurs and the Power of New Ideas” von David Bornstein zeigt. Bei der Lektüre habe ich vermisst, dass hier eine Gemeinschaft von Menschen etwas verändert und der Social Entrepreneur zum Alleskönner glorifiziert wird. Ich habe in Ägypten spannende Menschen kennen gelernt, die davon angetrieben sind, dass es möglich ist, auch als Einzelner etwas zu verändern und damit mit der Zeit Berge zu versetzen. Doch die wirkliche Stärke solcher Initiativen liegt nach meinen Eindruck in den offenen Netzwerken und Leidenschaft, eine Idee zu verwirklichen. Im Buch heißt dazu nur: “You are your network”.
Contrary to popular belief, the world has never been changed by a single individual or idea. In most cases, the individual or the idea acts as a trigger for the change. In order to achieve a massive cascade of reactions to form an event (change), the triggering agent has to be connected to a network that is susceptible to the particular seed of change.
Diese Netzwerke bilden sich auch im Internet heraus. Hier treffen, dank des sozialen Webs, Menschen mit Visionen, Ideen und Drang nach Veränderung zusammen. Gerade in den letzten Jahren sind viele Initiative über das Internet entstanden, die beweisen, dass sich Engagement und Einsatz lohnt und was bringt. Über viele dieser Beispiele werde ich in den nächsten Monaten auf diesem Blog berichten. Und es gibt eben Börsen wie globalgiving.org, wo diese Projektideen um Geldgeber werben können.
In Deutschland ist nach meinem Eindruck das Thema Social Entrepreneurship kein großer Teil der Debatte um gesellschaftliches Engagement. Ein Grund ist sicherlich der wirtschaftsnahe Ansatz. Das zeigte sich auch auf dem Forum on Social Entrepreneurship, das vor kurzem in Berlin stattfand, gefördert von namhaften Wirtschaftsunternehmen. Jedenfalls zeigte sich auf dem Social Camp, dass besonders kleine kreative Initiativen zwischen diesen Goliaths nur geringe Chancen auf Fördergelder haben.
Wer sich für das Thema interessiert, dem empfehle ich das Buch, das übrigens von der Schweizer Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) mit herausgegeben wird. Die digitale Version ist kostenlos und führt gut in das Thema ein und zeigt mit vielen Beispiel, wie man selber starten kann. Ich werde aber auf jeden Fall demnächst noch mehr davon berichten.
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