Ein Land, irgendwo, will ein neues Kraftwerk bauen. Die technischen Spezifikationen der Ausschreibung sind so spezifisch, dass nur das Kraftwerk der deutschen Firma in Frage kommt. Ein regionaler Unternehmer bietet das Ding für 300 Millionen Dollar an. Der Minister vergibt an das deutsche Unternehmen, das für 350 Millionen Dollar liefert. Wer zahlt die Differenz? Die Bevölkerung, der die Millionen an anderer Stelle im Staatshaushalt fehlen. Aber der Staat gibt eh kein Geld für seine Bevölkerung aus.
Und das, Martin, kommt so: Der Minister verfügt über intransparente Geldströme, so dass ihm Steuern egal sein können. Keine Steuern, keine Rechenschaftspflicht der Bevölkerung gegenüber. Er setzt Gewalt ein, um weiterhin am Fleischtopf zu sitzen. Von dem niemand weiß, wie groß er wirklich ist. Korruption verhindert Effizienz. Korruption verhindert die Schaffung von Arbeitsplätzen. Korruption verhindert Investitionen und Entwicklung.
Martin Walser sieht das anders:
Martin Walser ist für Tabubrüche bekannt. Nun hat er sich erneut mit einer provokanten These an die Öffentlichkeit gewandt: Der Schriftsteller hält Bestechung durch deutsche Unternehmen bei der Auftragsbeschaffung im Ausland für gerechtfertigt.
“Jeder weiß, dass in vielen Ländern Großaufträge ohne Bestechung nicht zu bekommen sind”, sagte der 81-Jährige dem Wirtschaftsmagazin “Capital”.
Wie gut, wenn man von sich sagen kann (in anderem Zusammenhang):
“Da bin ich absolut erkenntnisabweisend.”
In der Tat.
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