Menschenrechte schützen mit Twitter und Facebook

Nun macht die ägyptische Regierung mal wieder ernst. Etliche Blogger sind schon im Gefängnis und nun trifft es auch Aktivisten, die Facebook nutzen. Doch was ist passiert? Seit Jahren schon nutzt die ägyptische Opposition und Menschenrechtsaktivisten das Internet als “zweite” Öffentlichkeit, um über  Menschenrechtsverstösse des Regimes von Mubarak zu berichten.

Kafr el-Dawwar Strikers celebrate their victory (Photo by Hossam el-Hamalawy)

Im Vergleich zu anderen arabischen Ländern, ist in Ägypten das Internet noch nicht zensiert, doch eine freie Meinungsäußerung im Internet ist längst nicht mehr möglich. So trifft es nun auch Ägypter, die in einer Facebook-Gruppe zum Streik aufgerufen haben. Der Hintergrund sind die steigende Nahrungsmittelpreise und die Inflation in Ägypten. Wegen der Verhaftung hat auch bereits Amnesty International einen Aufruf gestartet.

Mittlerweile laufen vielfältige Protestformen in Ägypten über das Internet, wie Global Voices Advocacy berichtet:

After little less than a month following the April 6 strike in support of the textile workers in Mahalla City, during which a number of prominent Egyptian bloggers and internet activists were arrested, preparations for the next round of a planned general strike to mark the 80th birthday of President Hosni Mubarak, on May 4, 2008, are currently spreading all over the blogosphere and the Internet. And like the preparation for the April 6 strike, the internet has a vital role to play in mobilizing for the upcoming protest. SMS, email, blogs, Facebook, YouTube, Twitter: almost all of these outlets are used by Egyptian Internet activists in their campaign the May 4 event.

Nach Angaben der Washington Post hat die Facebook-Gruppe zum Streikaufruf 64.000 Teilnehmer gewinnen können. Wenn man sich vorstellt, dass in Ägypten Versammlung von einem Dutzend Personen verboten sind, dann wird schnell klar welches Potential hinter der Vernetzung durch Facebook steckt. Dabei bleibt nur zu hoffen, dass Facebook nicht wie andere große Webfirmen mit den jeweiligen Regierungen kooperiert. Die bisherige Firmenpolitik von Facebook gibt kein Anlass zur Freude.

Al Arabiya berichtet, wie die ägyptische Regierung nun systematisch die Aktivitäten der Blogger beobachten:

According to a recent report published by the Egyptian Cabinet’s Information and Decision Support Center (IDSC), Egypt has over 162,000 bloggers [mostly between 20-30 year olds], which constitutes 30 percent of Arab bloggers.

The detailed report raises pertinent questions that require further examination. The efforts invested in investigating the numbers of Egyptian bloggers and gathering information about their activities is a testimony of the growing influence of this segment in society in the political and media spheres – not only in Egypt but in the world.

Geschickt haben Aktivisten in den letzten  letzten Jahren immer wieder neue Wege entdeckt, das Netz für ihre Arbeit zu nutzen. Ein Beispiel ist Twitter. Die für manch einen sinnentleerte Quatschbude gibt alarmiert ein Netzwerk, wenn Aktivisten in einer gefährlichen Situation sind und erlaubt in konzertierten Aktionen länderübergreifend zu reagieren. So konnten Menschenrechtsgruppen reagieren, als ein Blogger in  einer Polizeiwache in Gewahrsam genommen wurde. Per SMS werden hier quasi weltweit Menschenrechtsorganisationen alarmiert.

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