Bob Geldorf, Entwicklungshilfe-Lobbyist und Afrika-Experte, kommentiert die Ergebnisse des G8-Gipfels in einem SpOn-Interview. Um Afrika anzupreisen, biegt er sich die Welt zurecht, dass es kracht.
In Afrika gibt es mehr als 20 Demokratien, der Kontinent ist die zweitgrößte Schwellenregion nach China.
Die Liste möchte ich mal sehen.
Die Chinesen haben das schon verstanden und investieren überall in Afrika.
Wie lieb von ihnen. Rührend. Weil ihnen das Wohl Afrikas so am Herzen liegt, liefern sie Waffen an Khartoum. Die Chinesen investieren nicht, sie brauchen Afrikas Rohstoffe.
Sie sind eben brillante Business-Männer, erkennen gute Chancen – im Gegensatz zu den westlichen Ländern.
Dass der chinesische Staatskapitalismus brillante business men produziert ist mir auch neu. In Algerien können sie mit der einheimischen Bauindustrie konkurrieren, weil sie billige Arbeitskräfte aus der chinesischen Provinz mitbringen. Mit deren Lohnkosten ist nicht zu konkurrieren. In China rührt ein Teil des Wachstums auch aus dem Raubbau an der Natur – nicht gerade das nachhaltige Wirtschaften, das man nach Afrika exportieren möchte.
SPIEGEL ONLINE: Trotzdem gibt es immer mehr Beobachter, die mahnen, Entwicklungshilfe fördere nur Korruption und bringe nichts.
Geldof: Das ist einfach nicht wahr. Es gibt doch eindeutige Belege für das Gegenteil. 2002 hatten gerade einmal 50.000 Menschen in Afrika Zugang zu Aids-Medikamenten – heute sind es drei Millionen. Drei Millionen! Und 34 Millionen Kinder haben dank Entwicklungshilfe und der Arbeit afrikanischer Regierungen Zugang zu Schulbildung bekommen.
Es gibt bis heute keinen empirischen Beweis dafür, dass Entwicklungshilfe Entwicklung bringt.
In Afrika gibt es Demokratien und positive Entwicklungen - aber der Kontinent ist auch nicht gerade die Zukunft der Weltwirtschaft. Na ja, Leute wie Geldorf müssen die Welt schwarz und weiß haben, sonst können sie sich nicht so gut verkaufen.
“Es gibt bis heute keinen empirischen Beweis dafür, dass Entwicklungshilfe Entwicklung bringt.” — Das ist freilich auch eine Schwarz-Weiß-Aussage a là Geldof. Ihr Wahrheitsgehalt hängt davon ab, was man unter Entwicklung versteht.
Herzlichen Dank für diesen treffenden Kommentar. Schauen Sie mal auf unsere Homepage Bonner-Aufruf.eu. Dort habe ich gestern einen ähnlichen Kommentar geschrieben. Ich finde es erstaunlich welche Aufmerksamkeit unsere Medien und Politiker diesem Schaumschläger geben. Vorallem fragen sie nicht nach wenn Geldof unsinnige Behauptungen aufstellt.
Volker Seitz, Autor des Buches Afrika wird armregiert, dzv,Juli 2009
@ Volker: Journalisten müssen leider immer wieder über Dinge schreiben/Leute interviewen, ohne Zeit zu haben, sich vernünftig vorzubereiten. Gerade mit Themen wie Entwicklungshilfe muss man sich aber länger befassen, um nicht nur das “Wir brauchen mehr” des allgemeinen Konsens nachzuplappern. Immerhin wird hier nach Korruption gefragt.
@ Klaus: Andersrum kann man sich Entwicklung auch so hindefinieren, dass Entwicklungshilfe immer wirkt. Auf jeden Fall scheinen mir expost Wirkungskontrollen in der Branche noch in den Kinderschuhen zu stecken.
Ich beziehe mich auf das erste oder zweite Kapitel in William Easterley’s The White Man’s Burden. Ich glaube, da legt er die UN Human Development Goals zu Grunde, aber ich kann mich auch täuschen.