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Dubai: auf der Suche nach Substanz

Seit Jahren, vor allem mit Beginn des Ölbooms ab 2002, versucht Dubai verzweifelt vor allem eines: dazu zu gehören. Es will zum Kreis dieser Handvoll internationaler Metropolen wie Paris und New York gehören, deren Name überall in der Welt Faszination auslöst. Damit ist schon viel gesagt, es geht vor allem um branding, und darin war Dubai richtig gut.

Der Erfolg von Dubai fusste auf Schulden und auf viel flüchtigem Geld. Geld, das auf eine Währungsaufwertung und immer höhere Immobilienpreise spekulierte, und Geld, das woanders vielleicht nicht hin konnte. Wer Wohneigentum kaufte, bekam eine Aufenthaltsgenehmigung, und das lockte Geld aus unsicheren Staaten wie Iran, Pakistan und Südafrika an. Da will, wer es sich leisten kann, woanders eine  Zuflucht haben, selbst wenn es Dubai ist. (Diese Regelung wurde im Frühjahr wieder abgeschafft.) Zu diesem Geld gehörte und gehört auch, dass ein großer Teil der iranischen Außenwirtschaft über Dubai abgewickelt wird.

@ flickr.com /deeeep

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Nun hat Dubai aber ein bisschen mehr Substanz geschaffen, sich eine Metro zugelegt, ein echtes Symbol echter Metropolen. Ohne Planfeststellungsverfahren, Bürgerinitiativen und Arbeiterrechte liess sich die in wenigen Jahren bauen, woanders dauert das schon mal zwanzig. Auch die Kostensteigerungen sind moderater ausgefallen als in Demokratien, wo Politiker die am Anfang herunter spielen müssen, um eine Mehrheit im Rat oder der Bevölkerung zu bekommen.

Sie verdeutlicht auch, wie sehr das Geschäftsmodell Dubais von seiner Bevölkerungsgröße abhängt, und die ist in der Krise wohl etwas zurück gegangen. Und wenn das Wachstum wieder da ist, werden sehr viele begriffen haben, dass es hinter den Glitzerschlagzeilen keinerlei Schutz vor willkürlichen Staats-, oder besser gesagt, Familienübergriffen gibt.

Irgendwann werden die Immobilienpreise nicht mehr fallen, in ein paar Jahren werden die überdimensionierten Projekte vielleicht an die Realität angepasst sein. Aber wird Dubai je nachhaltig sein? Auch nach dem Immobiliencrash spielt Dubai unzweifelhaft eine Rolle als regionales Hub für Tourismus, Banken, Prostitution und Schmuggel. Nur das alleine wird kaum seine Schulden von 60 bis 100 Mrd. Dollar abbauen können.

Wer sich für die dunkle Seite Dubais interessiert, dem sei diese Reportage aus dem The Independent empfohlen:

“The thing you have to understand about Dubai is – nothing is what it seems,” Karen says at last. “Nothing. This isn’t a city, it’s a con-job. They lure you in telling you it’s one thing – a modern kind of place – but beneath the surface it’s a medieval dictatorship.”

Das Zitat zeigt: Dubai hat im Boom eine neue Klasse westerners in den Nahen Osten gebracht – dem Geld hinterher, nicht mehr anderen Sprachen und Kulturen, ohne die geringste Vorstellung davon, dass Dubai nichts als ein vormoderner, korrupter Familienbetrieb ohne Menschenrechte ist.


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