,

Die lokale NGO

Der Libanon hat eine der lebendigsten NGO-Landschaften des Nahen Ostens (weil durch sie im Bürgerkrieg die Hilfe ins Land kam). Ein interessantes paper von Karin Seyfert von der Londoner SOAS zeigt, dass man davon aber nicht vorschnell auf eine starke Zivilgesellschaft in unserem Sinne schließen sollte. Denn die lokalen NGOs arbeiten entlang den konfessionellen Linien des Landes und sind ein Instrument, mit dem die verschiedenen Gruppen eher ihren Klientelismus pflegen, anstatt zu sozialer Veränderung beizutragen. Zunächst NGOs, die Regierungsgelder in nur einer Konfession oder gar Familie ausgaben, dann kamen ab den 90ern die NGOs prominenter Politiker wie Hariri dazu, die so ihre politische Basis enger an sich binden wollten.

Sprich, wenn sich die konfessionellen Gruppen den Staat und seine Resourcen aufgeteilt haben, gilt das auch für den Raum, der sich eigentlich vom Staat abgrenzt, eben die Zivilgesellschaft:

„(…) the historical origins of many Lebanese NGOs are exclusive, geared to serve a specific community, rather than inclusively aiming at a wide variety of people with similar problems”, schreibt Seyfert.

Sie zitiert Studien, die belegen, dass politische wichtige oder umkämpfte Gebiete wie zum Beispiel Beirut mehr NGO-Gelder anziehen als arme Gebiete, wie der Norden des Landes.

Nun ist kaum ein Land so konfessionell und politisch zersplittert wie der Libanon, aber auch anderswo im Nahen Osten kann man lokale NGOs hinterfragen.

Beim ägyptischen Social Fund, den die Weltbank Anfang der 90er gegründet hat, um die sozialen Folgen ihrer Strukturanpassungsmaßnahmen abzufedern, berichten Insider über Korruption bei der Auftragsvergabe und Klientelismus. Er wird trotz der internationalen Gelder kaum NGOs finanzieren, die die Legitimation des Staates oder gar des Regimes in Frage stellen. Trotzdem hat er immer noch einen passablen Ruf in der lokalen donor community.

Der Social Fund ist eben ein willkommener Mechanismus, mit dem man schnell größere Summen Geld ausgeben kann, ohne sich jede einzelne NGO ansehen zu müssen.

Zurück zu dem paper von Seyfert, die am Rande auch Ägypten und Jordanien mit einbezieht. Ein Teil ihres Ergebnisses:

“Resources distributed by NGOs seem not to be disbursed according to the criterion of need but according to considerations of political influence and affiliation. The benevolent, social welfare-maximising concept of a state providing universal welfare is shifting to one of more exclusive provision schemes for a select few through NGOs. However, NGOs themselves, rather than picking up the slack from lacking government services, integrate themselves into political systems and might even reproduce or create clientelist structures.”

Sie fügt noch hinzu, dass das nicht für alle NGOs gilt. Und wenn es christlichen deutschen NGOs leichter fällt, in den Slums von Kairo etwas aufzubauen, wenn ihre lokalen Partner (koptische) Christen sind, dann soll es so sein. Hauptsache das Geld kommt an.

Kommentar

Schreib einen Kommentar unten, oder trackback von deinem eigenem Blog.

Abonniere dieses Blog

Schreib freundlich. Bleib beim Thema. Kein Spam.

*Benötigte Felder