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Arbeiten am Golf

Abends in einem Hotel am Golf. Keine 5-Sterne, aber doch ein respektabler, internationaler Name. Banker warten darauf, dass die Rede des Zentralbankchefs anfängt, Kellner gehen mit Tabletts durch die Menge und bieten Getränke an. Ein CEO fragt einen, ob der orange Saft Orangensaft ist, und er stammelt nur: „Apple“.

In seinem Dorf auf dem Subkontinent gab es vermutlich weder das eine noch das andere, und jetzt bringt er eines der englischen Wörter hervor, das er aufgeschnappt hat. Er tut einem leid. Er arbeitet in einem fernen Land, um Geld nach Hause zu schicken. Er ist nicht qualifiziert, aber er ist billig.

Meiner Meinung nach die zentrale Herausforderung, vor der die Golfstaaten in den nächsten Jahrzehnten stehen: wie bekommen sie die eigene Bevölkerung in einen Arbeitsmarkt, der durch die billigen ausländischen Arbeitskräfte verzerrt ist? Mangels politischer Legimitation sehen sich die Herrscher am Golf gezwungen, wenigstens Jobs zu bieten.

Die Asiaten wohnen in Lagern, oder bekommen von den Hotels Zimmer gestellt, die sie sich mit anderen teilen. Sie müssen für die Familie nicht die hohen Mieten zahlen, und in den Phillipinnen und in Bangladesh ist das Leben billiger (aus Saudi-Arabien werden jährlich $16 Milliarden nach Hause überwiesen). Da können die Einheimischen im eigenen Land nicht mithalten.

Vom Ölboom der 70er bis zum Infrastrukturboom der letzten Jahre kamen unkontrolliert Arbeiter aus Asien ins Land, ohne dass die langfristigen Folgen bedacht wurden. Jetzt wächst die eigene Bevölkerung stark, vor allem Saudi-Arabien hat eine sehr junge Bevölkerung. Die wollen aber nicht bei 40 Grad im Schatten Pipelines durch die Wüste schleppen, sondern arbeiten lieber für den Staat.

In Saudi-Arabien, Bahrain und den Emiraten gibt es Nationalisierungs-Programme, die mehr Einheimische in Lohn und Brot bringen sollen. Ausländische Firmen müssen Quoten erfüllen, hinzukommen Qualifizierungsmassnahmen und Training für die Einheimischen. Aber solche Massnahmen brechen die ökonomischen Strukturen nicht auf. Die lassen sich nicht per Dekret ändern.

Schließlich stehen starke Interessen dahinter: die Hotels, in denen Phillipinos an der Rezeption sitzen, die Immobilienprojekte, die von Bangladeshis gebaut werden, gehören den gleichen, die ihren Landsleuten mehr Jobs versprechen. Die werden ungern auf die billigen Arbeitskräfte verzichten.

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