Staatliche Entwicklungshilfe hat mit anderen Renten-Einkommen zwei Dinge gemeinsam: man muss nichts für sie tun, und sie wird vom Regime kontrolliert. D.h., hochrangige Staatsbeamte können ihren Anteil abzwacken, ohne dass die Öffentlichkeit davon etwas mitbekommt. Deswegen sind Investitionen, die nicht auf der Vergabe von Lizenzvergaben oder Ausschreibungen beruhen, wohl die nachhaltigsten Geldflüsse.
Auch Tourismus-Einnahmen lassen sich schlecht vom Machtzentrum kontrollieren – es sei denn, Tourismus ist keine Dienstleistung, sondern eine Rente wie in Ägypten (die Pyramiden und die Korallen im Roten Meer sind einfach da (letztere nicht mehr lange), und daher keine Leistung). In Ägypten sind die großen tour operator von wenigen Geschäftsleuten kontrolliert, die dem Regime nahe stehen. Demgegenüber fließen weniger Gelder an SMEs in den Regionen – wer nachhaltig Reisen will, sollte also kleine (Familien-)Unternehmen unterstützen, nicht die großen Firmen-Gruppen.
Zurück zum Thema. swp-Expertin Citha Maaß benennt in diesem Interview mit der SZ das Problem staatlicher Entwicklungshilfe: sie muss mit den lokalen Schurken zusammen arbeiten, ob sie es will oder nicht.
Nehmen sie als Beispiel Kundus: Der Provinzgouverneur ist korrupt und inkompetent, trotzdem laufen alle Programme über ihn. So sickert ein beträchtlicher Teil des Geldes in sein persönliches Patronage-System. Nähe zu ihm entscheidet darüber, wer Entwicklungshilfe bekommt und wer nicht – und damit meine ich nicht nur die geographische Entfernung. Dass das so ist, wissen alle – aber die Organisationen haben keine Alternative, solange Präsident Hamid Karsai diesen Gouverneur im Amt lässt.
Wenig neues hier in der FAZ zu Bloggern in Ägypten, aber eine Gelegenheit, noch einmal auf den traurigen Fall Khaled Said hinzuweisen, ein blogger in Alexandria, der auf offener Straße von Polizisten tod geprügelt wurde. Sicherlich eine Ausnahme, dass es anschließend zu einem Gerichtsprozess kam.
Nach Protestdemonstrationen in Ägypten und im Ausland kündigte die Regierung an, das Verhalten der beiden Polizisten zu untersuchen. Sali Sami, eine Mitarbeiterin der ägyptischen Sektion von Amnesty International, hält dies für einen überraschenden ersten Schritt. Viele Demonstranten aber wollen mehr und verlangen den sofortigen Rücktritt der Regierung. „Es geht hier nicht um zwei Polizisten, sondern um das System als Ganzes“, wetterte ein ägyptischer Exil-Journalist, der seinen Namen nicht veröffentlichen möchte.
Blogger stehen in der arabischen Welt zunehmend ganz vorne in der Zivilgesellschaft. Aber gerade der BlackBerry hat auch Menschenrechtsaktivisten noch einmal einen Schub gegeben, da über das Gerät Inhalte unter Umgehung der Internet-Zensur sehr einfach und kostenlos verbreitet werden können.
Die arabischen Herrscher stehen im Zensur-Wettlauf gegen Aktivisten und blogger auf verlorenem Posten, es ist ein Hase- und Igel-Spiel, denn Zensur lässt sich immer umgehen. Einige Aktivisten sagen auch, dass ihre Internet-Seiten mehr traffic und Aufmerksamkeit anziehen, sobald sie blockiert sind.
Ich freue mich schon auf die Ergebnisse dieses Projekts, das Afrika durch afrikanische Augen zeigen soll. Während der Weltmeisterschaft reisten 13 afrikanische Schriftsteller in 13 Städte des Kontinents, und ihre Erlebnisse werden als Reise-Literatur veröffentlicht.
Hier gibt es bereits einige blog-Einträge, die waehrend ihrer Reisen nach Durban, Timbuktu oder Luanda entstanden sind. Initiiert vom Chinua Achebe Center for African Writers and Artists, das sich dem
Erbe des grossen Achebe widmet, der in seinen Werken der 50er und 60er Jahre die Auswirkungen von Kolonialismus und Christentum auf die afrikanische Kultur und Geschichte dokumentiert hat.
Das schwierige Vermächtnis des Kolonialismus ist in Afrika noch vielerorts sichtbar, und da vielerorts die gleichen Eliten bis heute an der Macht sind, befreit sich der Kontinent nur langsam davon.
In Kenia hat der autoritäre Präsident Moi zwischen den frühen 80ern bis in die frühen 2000ern diese kolonialen Strukturen erhalten – inklusive systemimmanenter Korruption. Erst im letzten Jahrzehnt
begann das Land, Verfahren zum Teilen von Macht zu entwickeln – die Regenbogenkoalition, die den Moi-Vertreter Kenyatta besiegte, brach darüber schnell wieder auseinander, und nach den Wahlen 2007
gab es blutige Stammeskämpfe zwischen Kikuyu und Kalenjin. Diese zeigten, dass dem Land Institutionen fehlten, die Verteilungskämpfe um Ressourcen (in Kenia vor allem Land) moderieren könnten..
Vorgestern hat Kenia einen wichtigen Schritt auf diesem Weg gemacht, indem es sich in einem friedlichen Referendum eine neue Verfassung gegeben hat. Diese soll das Land ein Stück näher an eine moderne
Nation bringen, und ein Stück weg von einem Territorium, auf dem verschiedene Stämme um Pfründe und Land kämpfen.
Eine Verfassung ist in diesem Sinne eine solche Institution. Hoffen wir, dass die jetzt angenommene einen Beitrag dazu leistet, indem sie z.B. Landbesitz einschränkt und regionalen Regierungen mehr Autonomie
bietet. Stammesdenken läßt sich mit Wahlen und Demokratie überwinden, denn diese hält die Eliten in Zaun, die es schüren und für die eigenen Machtansprüche instrumentalisieren. Die Bevölkerung hat andere Interesse.
Kenia ist wichtig fuer die Stabilität in Ostafrika, eine Region zwischen den Unruheherden Somalia und dem Kongo. Gerade Uganda und Ruanda hängen fuer ihren Handel stark vom Zugang zum kenianischen
Hafen Mombasa ab. Wenn die Präsidentenwahlen 2012 in Kenia dank dieses Referendums friedlich funktionieren, kann das der ganzen Region neue Perspektiven eröffnen.
Ich weiß nicht, ob es Jahresrückblicke zum Thema soziale Innovation, oder politischer Fortschritt da draussen, also in emerging markets, gibt. Die kürzliche Freigabe der Benzinpreise in Indien, lange aufgeschoben, dürfte im Jahre 2010 nicht fehlen. Ach was, in jedem Rückblick aufs Jahrzehnt müsste sie ganz oben stehen.
Ein Großteil der dritten Welt, auch Schwellenländer wie Mexiko und Argentinien, wird von diesen Benzinsubventionen geplagt. Sie gehören zu ihrer politischen Ökonomie dazu, sie sind ihr contrat social.
Dabei machen sie viel kaputt. Sie verzerren den Markt so sehr, dass zu viel von dem Zeug verbraucht wird. Ist Benzing billig, besteht kein Anreiz, es nicht zu verbrennen. Deswegen ist in Kairo ein Großteil der Autos älter als dreissig Jahre. Sie schlucken viel, und stoßen noch mehr auf (oder aus). Weil der Individualverkehr so günstig ist, werden Investitionen in Verkehrsinfrastruktur und öffentlichem Nahverkehr aus dem Markt gehalten. So unterhalten Städte wie Kairo, Mumbai etc. Flotten von mehreren zehntausenden Minibussen. Eine U-Bahn ist sicherer, günstiger und umweltfreundlicher.

flickr.com/N-o-m-a-d
Benzinsubventionen fördern Industrien und Standorte, die ohne sie gar nicht wirtschaftlich wären. Sie stellen ganze Volkswirtschaften auf falsche Füße.
Regierungen überall auf der Welt würden gerne das gleiche tun wie Indien, denn Subventionen machen oft den größten Posten in ihren Haushalten aus. In Ägypten, am Golf, im Irak, im Iran, im Yemen. Aber nur Demokratien können das.
Denn warum soll ich für mein Benzin bezahlen, wenn mir die Regierung dafür keine Infrastruktur und öffentlichen Nahverkehr bereit stellt? Wenn ich nicht weiss, wofür die eingesparten öffentlichen Mittel ausgegeben werden? Wenn ich sicher davon ausgehen kann, dass sie in die Taschen hoher Beamten fließen? Autoritäre Regime können ihre Bürger nicht zusätzlich belasten, weil sie keine politische Legitimation haben.
Regime sehen stark aus, aber sie sind schwach. Sie können keine politischen Konflikte aushalten geschweige denn moderieren, und Subventionen sind ein Konflikt zwischen Gegenwart und Zukunft (wie auch Sozialsysteme). Nur Demokratien können heute Dinge tun, von denen sie erst morgen etwas haben.
Deswegen hat Indien für mich Geschichte geschrieben. Das Land hat nicht nur ein Problem gelöst, das in vielen Ländern die Wirtschaft kaputt macht. Es hat auch gezeigt, dass nur Demokratien jenseits von Rohstoffen nachhaltig wirtschaften können. Weswegen mir noch niemand erklären konnte, warum wir unsere Enwicklungshilfe am liebsten autoritären Herrschern geben.
Wenn Demokratien das morgen im Auge haben, haben autoritäre Regierungen hingegen alles am liebsten so, wie es gestern war. Deswegen wird der Golf zum Beispiel nie zu einer echten, regionalen wirtschaftlichen Integration kommen. Wenn die Herrscher schon zu Hause nichts von ihrer Macht aufgeben wollen, werden sie kaum Souveränität ihres Staates abgeben. Stattdessen liefern sie sich Sandkastenspiele mit anderen Herrscherhäusern – nur ihre Völker, oder deren gewählte Vertreter, könnten sich mit anderen Völkern verständigen.
Es gibt auch noch privatwirtschaftliche Vorteile: die indischen Raffinerien, die heute bereits einen gewissen Weltmarktanteil haben, werden nun auch zu Hause lohnenswerte Geschäfte machen können, indem sie Tankstellen-Ketten aufbauen. Mit einem lukrativeren Markt zu Hause, können sie vielleicht in Zukunft in die Phalanx der westlichen Ölgiganten vorstoßen. Dann gäbe es ein indisches BP oder Exxon.
Viele Treibstoffarten, die auch auf Feldern für Pumpen und Gaskocher zu Hause benutzt werden, werden weiterhin bzuschusst, daher sparen die Subventionskürzungen nur ein Drittel des jährlichen Subventionsposten der indischen Regierung – aber ein wichtiger Anfang ist gemacht.
“37 Jahre Entwicklungszusammenarbeit in der Praxis machen Sie mehr oder minder automatisch zum Fan einer Fusion.”
Sprach ein Veteran der Entwicklungszusammenarbeithilfe in der Süddeutschen vom 10. April, zur Fusion deutscher Entwicklungshilfeorganisationen.
Es spricht sich rum, dass Entwicklungshilfe nichts bringt. Leider wird sie nie kollabieren, denn es gibt Myriaden von staatlichen, privaten und supranationalen Organisationen. Da wird immer etwas überleben, und wenn es Leute sind, die meinen, sie müssten etwas gutes tun.
Die swp hat eine Studie mit interessanten Hintergründen zu den Geberstrukturen der Entwicklungshilfe veröffentlicht. Sie gibt einen Überblick, wie verschiedene Länder das Koordinierungsproblem angegangen sind. Einige unterhalten ein Entwicklungshilfeministerium, bei anderen ist sie Teil des Außenministeriums.
Es gibt seit einigen Jahren neue Aufgaben für die Entwicklungshilfe (Klimaschutz, Terrorbekämpfung), und daher auch mehr Geld. Auch deswegen ist man auf der Suche nach neuen Strukturen: mit den alten kann man die ganze Kohle gar nicht ausgeben.
Man liest aus der Studie heraus, dass das Ministerium gegen den Apparat, sprich die Entwicklungshilfeorganisationen, keine Chance hat. Aus den Handlungsempfehlungen:
“Die Bundesregierung plante in der Legislaturperiode 2005-2009, das System der deutschen Durchführungsorganisationen zu reformieren. Kerstück sollte eine Fusion der GTZ mit der Kfw Entwicklungsbank sein. Dies ist dann sinnvoll, wenn das zuständige Leitungsministerium – BMZ oder AA – mit zusätzlichen Kapazitäten gegenüber dem entstehenden Durchführungsgiganten ausgestattet wird, um die politische Steuerungshoheit der Bundesregierung zu sichern.”
Owen Barder hat einen provokativen Blog Post geschrieben: “The coming collapse of the development system.” Barder schreibt allein im Senegal gibt es 82 verschiedene Foren zur Koordination der Entwicklungshilfe. Nach seiner Einschätzung ist das größte Problem der Entwicklungshilfe die zunehmende Komplexität. Doch dabei meint er nicht die komplexen Probleme in vielen Entwicklungsprojekten, sondern die vielschichtigen Strukturen von Geberorganisationen zur Abstimmung, Koordination und Zusammenarbeit. Die Entwicklungshilfe verharrt in einer Starre, die sogar zum Kollaps des Systems führen kann.
“The burgeoning number of donors impose more contradictory conditions, add transactions costs, drive up the price of scarce resources, and coordination costs grow exponentially.
Where there is a clear need for more simplicity – such as in the delivery of health aid – the system is unable to merge or close institutions, to reduce the number of donors and simplify the way aid is delivered. Instead our response to complexity is to add yet more layers and institutions…”
Dabei ist Owen Barder beileibe kein Pessimist, denn er arbeitet selber an einer Initiative namens Aid Info zur Verbesserung der Transparenz von Entwicklungszusammenarbeit. Namhafte Organisationen wie die Weltbank sind bereits Teil der Allianz, die sich verpflichtet in Zukunft ihre Arbeit mit Zahlen und Fakten besser der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. In Deutschland gibt es ähnliche Initiativen, wie OpenAid.de.
Bob Geldorf kann einem schon Leid tun. Hat gedacht, er würde etwas Gutes tun, und Geld für die hungernden Afrikaner einsingen. Leider wurden in den 80ern Teile des Geldes von äthiopischen Rebellen für Waffenkäufe abgezweigt, wie die bbc heraus gefunden hat.
Aregawi Berhe is the former army commander of the rebel movement that operated in the Ethiopian province of Tigray. He now lives in a modest flat in the back streets of a Dutch town. He insisted on making me coffee. Then he told me his version of what took place all those years ago – how the lightly-armed rebels he led took on the mighty Ethiopian army which had all the latest Soviet weaponry. He told me that as the money began flowing in to feed the starving, a bitter debate had taken place inside the rebel movement.
There were divisions over how the cash should be spent. Money that was being channelled through the rebel side went to the party and to buy guns. He also explained how the aid money was diverted not just to buy weapons his troops needed, but also to build a hardline, Stalinist party – the Marxist Leninist League of Tigray.
Es würde mich wundern, wenn das ein Einzelfall ist.
Zwei amerikanische Ökonomen haben eine Studie vorgelegt, nach der Armut in Afrika stärker zurück geht als gedacht, und vor allem die Einkommensdisparität innerhalb der Staaten zurück geht: nicht nur die Eliten profitieren von Wachstum. Die Studie widerspricht damit vor allem der Ansicht der Vereinten Nationen.
“The main point is that Africa has been moving in the right direction and, while progress has not been as substantial and spectacular as in Asia, poverty has been falling and it has been falling substantially,” the authors wrote.
They also cast doubt on the perception that wealth continues to be concentrated in the hands of the few, be they from the politics, the military or big business.
According to the study, Africa’s Gini coefficient — a statistical measure of income distribution — fell from 0.66 in 1990 to 0.63 in 2006, suggesting wealth is being spread more evenly, although inequality is still higher than any other region of the world.
Die Daten der Studie reichen allerdings nur bis 2006, d.h. bis fast ans Ende eines kräftigen, globalen Wirtschaftaufschwungs, der vor allem Rohstoffen Auftrieb gegeben hat. Die globale Finanzkrise hat wegen der einbrechenden Rohstoffpreise aber Afrika nicht verschont.
Studien zu ganz Afrika sind vermutlich ohnehin nur akademische Übungen. Zwar hängen fast alle Wirtschaften vor allem von Rohstoffen, Landwirtschaft und Entwicklungshilfe ab, aber es gibt schon große Unterschiede, sagen wir mal zwischen Niger und Ghana oder Botswana. Das wichtigste Ergebnis der Studie ist daher vielleicht, dass sie den bei den UN und den Medien weit verbreiteten Pessimismus und Fatalismus heraus fordert.
Eines gefällt mir am neuen Entwicklungshilfeverteidigungsminister Niebel: er schafft es, sogar der Fachwelt die Absurdität staatlicher Entwicklungshilfe aufzuzeigen. Aus der SZ von vor ein paar Tagen:
Auf seiner jüngsten Afrika-Reise hat Niebel die Fachwelt irritiert, weil er bei offiziellen Anlässen eine Bundeswehr-Kappe trug und dazu eine verspiegelte Sonnenbrille. Er war in dieser martialischen Aufmachung von lokalen Despoten kaum zu unterscheiden.
Leider wird der in dem Artikel beschriebene Ärger über Niebels alte Armee-Beziehungen von der eigentlichen Frage ablenken: Warum geben wir lokalen Despoten überhaupt Geld?
Man hatte es vorausgesehen. Nachdem Niger bereits auf den letzten Platz des Human Development Index (HDI) abstieg, ist es nun auch noch eines von vier Ländern, das auf dem von Freedom House-Ranking demokratischer und teildemokratischer Staaten nicht mehr zu finden ist. Eine traurige Bilanz negativer Superlative. Vergleicht man diese mit dem Sport, wären die Konsequenzen fatal: Der Rauswurf des Trainers, der Wechsel von Spielern, das Ende von Sponsoringverträgen, der Abstieg aus einer Liga…
Doch ein Land ist keine Fußballmannschaft, die Menschen darin keine Spieler und der Präsident kein Trainer. Auf Spielregeln wird oft gänzlich verzichtet. Die Welt ist komplexer, vor allem hat sie mehr Akteure. Trotzdem werden Maßnahmen getroffen, die denen des Fußballs ähneln: Die USA erteilen nigrischen Politikern Einreiseeinschränkungen. Die Europäische Union hält einen Teil ihrer Hilfsgelder zurück. ECOWAS, die westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft, verbannt Niger zeitweise aus ihren Reihen. Ein bunter Strauß an Sanktionen, dessen Ziel es ist die politische Führung unter Druck zu setzen, demokratische Prinzipien einzufordern. Es besteht Einigkeit darüber, dass man handeln müsse. Schaut man weg oder handelt halbherzig wiederholen sich Muster der Machterhaltung ohne Konsequenz. Unlängst wurde wie in Niger auch in Angola eine neue Verfassung abgesegnet, um den langjährigen Präsidenten dos Santos an der Macht zu halten. Ein good-practice der negativen Art.
So gut der Vorsatz des Handelns auch ist, bleibt die Frage welche Maßnahmen am Effektivsten sind. Fest steht, dass Sanktionen oftmals die Falschen treffen. Und auch sogenannte ‚smart sanctions’ haben nur begrenzte Wirkung. Hinzu kommt, dass sie teilweise einen abstrakten Charakter haben: Sie werden von der internationalen Gemeinschaft oder einem fernen Staat wie den USA auferlegt. Sie haben nicht immer sofort sichtbare Folgen, oftmals entsteht eine Zuordnungslücke zwischen der Sanktion und ihrer Auswirkung. Kurzum, es gibt viele Variablen, die das mutmaßlich richtige Handeln erschweren. Eine interessante Maßnahme ließ sich Nigeria im November 2009 einfallen: Es schloss zeitweilig seine Grenzen zu Niger. Niger ist ein Binnenland, abrupt versiegte der LKW-Verkehr, Handel fand nicht mehr statt. Maßnahmen mit direkten Folgen. Das Ereignis war in aller Munde, auch wenn der nigerianische Staat dementierte, Grenzschließungen veranlasst zu haben. Die Menschen waren aufgerüttelt.

LKWs durch Maradi - Handelsdrehscheibe zwischen Niger und Nigeria
Demokratie bedarf der Menschen. Demokratie bedarf der Menschen, die in dem Staat leben. Letztlich können nur sie sich einer autokratischen Herrschaft entziehen. Sanktionen können meist nur Hilfsmaßnahmen sein – ein Linienrichter am Seitenaus, die Fans auf der Tribüne. Indikatoren, um den positiven oder eben negativen Verlauf der Entwicklung zu messen. Niger hat seine negativen Superlative ausgeschöpft und hört hoffentlich bald auf seine Fans, vor allem aber seine Bevölkerung.
Korruption ist ein globales Phänomen. In Deutschland häufen sich die Fälle großer Korruption und in Indien ist besonders die “kleine” Korruption weit verbreitet. So müssen Bürger für allerlei Dienstleistungen ein extra Salär zahlen. Davor schrecken auch öffentlichen Institutionen nicht zurück, die für jeden Behördengang dem Bürger ein “Beschleinigungsgeld” abtrotzen.
Doch hier ist vor einer Weile eine interessante Initiative entstanden: Zero Rupees. Die Idee kommt von einem indischen Physik Professor, der es Leid war immer dieses extra Entgelt zu zahlen. Er druckte für den eigenen Gebrauch künstliche Geldnoten mit dem Wert Null, den er von nun an fordernden Beamten gab. Daraus entstand die Initiative 5th Pillar im Kampf gegen Korruption. Mittlerweile wurden 25.000 solcher Noten gedruckt und verteilt. Doch die Nachfrage war so groß, dass die Initiatoren gerade eine höhere Auflage drucken.
“The first batch of 25,000 notes were met with such demand that 5th Pillar has ended up distributing one million zero-rupee notes to date since it began this initiative. Along the way, the organization has collected many stories from people using them to successfully resist engaging in bribery.
In einem Blog Post der Weltbank werden einige anschauliche Beispiel beschrieben. In einem Fall war der Beamte so erstaunt und bestürzt über die Null-Rupee-Note, dass er die ganzen bisherigen gezahlten Gelder zurück gab.
“… a corrupt official in a district in Tamil Nadu was so frightened on seeing the zero rupee note that he returned all the bribe money he had collected for establishing a new electricity connection back to the no longer compliant citizen.”
Schönes Beispiel für eine eine Grasswurzel-Initiative, die einen wunden Punkt trifft und dadurch eine Solidarisierung zwischen den Leidtragenden kleiner Korruption schafft.
Saudi-Arabien hat die erste gleichgeschlechtliche Universität eröffnet. Kuweit hat sich ein kleines bisschen demokratisiert. Die Türkei wird für ihre Demokratisierung mit Wachstum belohnt. Im Iran gehen Menschen auf die Strasse. Im Libanon ist ein bisschen Ruhe eingekehrt.
Einige der zehn guten Nachrichten aus der muslimischen Welt im Jahr 2009, nach Informed Comment: Top Ten Good News Stories from the Muslim World in 2009 That You Never Heard About.
Die Gewichte verschieben sich. Die USA werden irgendwann pleite sein, und hinter den Kulissen tobt bereits ihr ökonomischer Machtkampf mit China.
Waren bisher Märkte außerhalb des Westens vor allem Abnehmer westlicher Waren und Technologien, haben sie sich vor allem in der Finanzkrise auch zu einem wichtigen Geldgeber für westliche Firmen gemausert, vor allem in rohstoffreichen Regionen wie dem Golf.
Ein sehr viel nachhaltigeres Zeichen für neue Gleichgewichte beschreibt das Wall Street Journal in diesem lesenswerten Stück: bei ihrem Bemühen, Produkte für die Ärmsten der Welt zu entwickeln, müssen sie indische Firmen so innovativ sein, dass dabei Dinge heraus kommen, die sich auch im Westen verkaufen lassen.
Indian companies, long dependent on hand-me-down technology from developed nations, are becoming cutting-edge innovators as they target one of the world’s last untapped markets: the poor.
India’s many engineers, whose best-known role is to help Western companies expand or cut costs, are now turning their attention to the purchasing potential of the nation’s own 1.1-billion population.
The trend that surfaced when Tata Motors’ tiny $2,200 car, the Nano, hit Indian roads in July, has resulted in a slew of new products for people with little money who aspire to a taste of a better life. Many products aren’t just cheaper versions of well-established models available in the West but have taken design and manufacturing assumptions honed in the developed world and turned them on their heads.
Netter Beitrag in der FAZ: Es spricht sich rum, dass Rohstoffgelder und Entwicklungshilfe nur Diktatoren an der Macht halten und damit Entwicklung blockieren. Investitionen in viele kleine Unternehmen hingegen können vom Machtzentrum schlecht kontrolliert werden und beteiligen neue Unternehmer und Regionen.
Daher kommt die neue Hoffnung für Zentralafrika auch weniger aus der Entwicklungshilfe der Industriestaaten, die demnächst noch massiv aufgestockt werden soll. Hoffnung macht das private Geld, das zunehmend auf den Kontinent strömt: durch Beteiligungsgesellschaften wie die deutsche Altira-Gruppe, die sich in lokale Unternehmen einkaufen. Durch große und kleine Anleger, die sich über Fonds und Zertifikate an lokalen Börsen engagieren. Durch Überweisungen der steigenden Zahl afrikanischer Gastarbeiter im Ausland. Und immer mehr auch durch westliche Unternehmen, die in Afrika Tochtergesellschaften gründen.
Man sollte den Tag nicht vor dem Abend loben, der Artikel ist an einigen Stellen ein wenig zu optimistisch für meinen Geschmack. Aber er zeigt den einzig nachhaltigen Weg für Afrika auf.