Bob Geldorf, Enwicklungshelfer und Waffenfinancier

Bob Geldorf kann einem schon Leid tun. Hat gedacht, er würde etwas Gutes tun, und Geld für die hungernden Afrikaner einsingen. Leider wurden in den 80ern Teile des Geldes von äthiopischen Rebellen für Waffenkäufe abgezweigt, wie die bbc heraus gefunden hat.

Aregawi Berhe is the former army commander of the rebel movement that operated in the Ethiopian province of Tigray. He now lives in a modest flat in the back streets of a Dutch town. He insisted on making me coffee. Then he told me his version of what took place all those years ago – how the lightly-armed rebels he led took on the mighty Ethiopian army which had all the latest Soviet weaponry. He told me that as the money began flowing in to feed the starving, a bitter debate had taken place inside the rebel movement.

There were divisions over how the cash should be spent. Money that was being channelled through the rebel side went to the party and to buy guns. He also explained how the aid money was diverted not just to buy weapons his troops needed, but also to build a hardline, Stalinist party – the Marxist Leninist League of Tigray.

Es würde mich wundern, wenn das ein Einzelfall ist.

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Afrikas Armut geht schneller als gedacht zurück?

Zwei amerikanische Ökonomen haben eine Studie vorgelegt, nach der Armut in Afrika stärker zurück geht als gedacht, und vor allem die Einkommensdisparität innerhalb der Staaten zurück geht: nicht nur die Eliten profitieren von Wachstum. Die Studie widerspricht damit vor allem der Ansicht der Vereinten Nationen.

“The main point is that Africa has been moving in the right direction and, while progress has not been as substantial and spectacular as in Asia, poverty has been falling and it has been falling substantially,” the authors wrote.

They also cast doubt on the perception that wealth continues to be concentrated in the hands of the few, be they from the politics, the military or big business.

According to the study, Africa’s Gini coefficient — a statistical measure of income distribution — fell from 0.66 in 1990 to 0.63 in 2006, suggesting wealth is being spread more evenly, although inequality is still higher than any other region of the world.

Die Daten der Studie reichen allerdings nur bis 2006, d.h. bis fast ans Ende eines kräftigen, globalen Wirtschaftaufschwungs, der vor allem Rohstoffen Auftrieb gegeben hat. Die globale Finanzkrise hat wegen der einbrechenden Rohstoffpreise aber Afrika nicht verschont.

Studien zu ganz Afrika sind vermutlich ohnehin nur akademische Übungen. Zwar hängen fast alle Wirtschaften vor allem von Rohstoffen, Landwirtschaft und Entwicklungshilfe ab, aber es gibt schon große Unterschiede, sagen wir mal zwischen Niger und Ghana oder Botswana. Das wichtigste Ergebnis der Studie ist daher vielleicht, dass sie den bei den UN und den Medien weit verbreiteten Pessimismus und Fatalismus heraus fordert.

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Unser lokaler Despot im Entwicklungshilfeministerium

Eines gefällt mir am neuen Entwicklungshilfeverteidigungsminister Niebel: er schafft es, sogar der Fachwelt die Absurdität staatlicher Entwicklungshilfe aufzuzeigen. Aus der SZ von vor ein paar Tagen:

Auf seiner jüngsten Afrika-Reise hat Niebel die Fachwelt irritiert, weil er bei offiziellen Anlässen eine Bundeswehr-Kappe trug und dazu eine verspiegelte Sonnenbrille. Er war in dieser martialischen Aufmachung von lokalen Despoten kaum zu unterscheiden.

Leider wird der in dem Artikel beschriebene Ärger über Niebels alte Armee-Beziehungen von der eigentlichen Frage ablenken: Warum geben wir lokalen Despoten überhaupt Geld?



Niger: Spielregeln wie im Fußball? Eine Bilanz negativer Superlative

Man hatte es vorausgesehen. Nachdem Niger bereits auf den letzten Platz des Human Development Index (HDI) abstieg, ist es nun auch noch eines von vier Ländern, das auf dem von Freedom House-Ranking demokratischer und teildemokratischer Staaten nicht mehr zu finden ist. Eine traurige Bilanz negativer Superlative. Vergleicht man diese mit dem Sport, wären die Konsequenzen fatal: Der Rauswurf des Trainers, der Wechsel von Spielern, das Ende von Sponsoringverträgen, der Abstieg aus einer Liga…

Doch ein Land ist keine Fußballmannschaft, die Menschen darin keine Spieler und der Präsident kein Trainer. Auf Spielregeln wird oft gänzlich verzichtet. Die Welt ist komplexer, vor allem hat sie mehr Akteure. Trotzdem werden Maßnahmen getroffen, die denen des Fußballs ähneln: Die USA erteilen nigrischen Politikern Einreiseeinschränkungen. Die Europäische Union hält einen Teil ihrer Hilfsgelder zurück. ECOWAS, die westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft, verbannt Niger zeitweise aus ihren Reihen. Ein bunter Strauß an Sanktionen, dessen Ziel es ist die politische Führung unter Druck zu setzen, demokratische Prinzipien einzufordern. Es besteht Einigkeit darüber, dass man handeln müsse. Schaut man weg oder handelt halbherzig wiederholen sich Muster der Machterhaltung ohne Konsequenz. Unlängst wurde wie in Niger auch in Angola eine neue Verfassung abgesegnet, um den langjährigen Präsidenten dos Santos an der Macht zu halten. Ein good-practice der negativen Art.

So gut der Vorsatz des Handelns auch ist, bleibt die Frage welche Maßnahmen am Effektivsten sind. Fest steht, dass Sanktionen oftmals die Falschen treffen. Und auch sogenannte ‚smart sanctions’ haben nur begrenzte Wirkung. Hinzu kommt, dass sie teilweise einen abstrakten Charakter haben: Sie werden von der internationalen Gemeinschaft oder einem fernen Staat wie den USA auferlegt. Sie haben nicht immer sofort sichtbare Folgen, oftmals entsteht eine Zuordnungslücke zwischen der Sanktion und ihrer Auswirkung. Kurzum, es gibt viele Variablen, die das mutmaßlich richtige Handeln erschweren. Eine interessante Maßnahme ließ sich Nigeria im November 2009 einfallen: Es schloss zeitweilig seine Grenzen zu Niger. Niger ist ein Binnenland, abrupt versiegte der LKW-Verkehr, Handel fand nicht mehr statt. Maßnahmen mit direkten Folgen. Das Ereignis war in aller Munde, auch wenn der nigerianische Staat dementierte, Grenzschließungen veranlasst zu haben. Die Menschen waren aufgerüttelt.

LKWs durch Maradi - Handelsdrehscheibe zwischen Niger und Nigeria

Demokratie bedarf der Menschen. Demokratie bedarf der Menschen, die in dem Staat leben. Letztlich können nur sie sich einer autokratischen Herrschaft entziehen. Sanktionen können meist nur Hilfsmaßnahmen sein – ein Linienrichter am Seitenaus, die Fans auf der Tribüne. Indikatoren, um den positiven oder eben negativen Verlauf der Entwicklung zu messen. Niger hat seine negativen Superlative ausgeschöpft und hört hoffentlich bald auf seine Fans, vor allem aber seine Bevölkerung.

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Zero Rupees – Null-Rupees Noten gegen Korruption in Indien

Korruption ist ein globales Phänomen. In Deutschland häufen sich die Fälle großer Korruption und in Indien ist besonders die “kleine” Korruption weit verbreitet. So müssen Bürger für allerlei Dienstleistungen ein extra Salär zahlen. Davor schrecken auch öffentlichen Institutionen nicht zurück, die für jeden Behördengang dem Bürger ein “Beschleinigungsgeld” abtrotzen.

Doch hier ist vor einer Weile eine interessante Initiative entstanden: Zero Rupees. Die Idee kommt von einem indischen Physik Professor, der es Leid war immer dieses extra Entgelt zu zahlen. Er druckte für den eigenen Gebrauch künstliche Geldnoten mit dem Wert Null, den er von nun an fordernden Beamten gab. Daraus entstand die Initiative 5th Pillar im Kampf gegen Korruption. Mittlerweile wurden 25.000 solcher Noten gedruckt und verteilt. Doch die Nachfrage war so groß, dass die Initiatoren gerade eine höhere Auflage drucken.

“The first batch of 25,000 notes were met with such demand that 5th Pillar has ended up distributing one million zero-rupee notes to date since it began this initiative. Along the way, the organization has collected many stories from people using them to successfully resist engaging in bribery.

In einem Blog Post der Weltbank werden einige anschauliche Beispiel beschrieben. In einem Fall war der Beamte so erstaunt und bestürzt über die Null-Rupee-Note, dass er die ganzen bisherigen gezahlten Gelder zurück gab.

“… a corrupt official in a district in Tamil Nadu was so frightened on seeing the zero rupee note that he returned all the bribe money he had collected for establishing a new electricity connection back to the no longer compliant citizen.”

Schönes Beispiel für eine eine Grasswurzel-Initiative, die einen wunden Punkt trifft und dadurch eine Solidarisierung zwischen den Leidtragenden kleiner Korruption schafft.

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Rückblick 2009: zehn gute Nachrichten aus der muslimischen Welt

Saudi-Arabien hat die erste gleichgeschlechtliche Universität eröffnet. Kuweit hat sich ein kleines bisschen demokratisiert. Die Türkei wird für ihre Demokratisierung mit Wachstum belohnt. Im Iran gehen Menschen auf die Strasse. Im Libanon ist ein bisschen Ruhe eingekehrt.

Einige der zehn guten Nachrichten aus der muslimischen Welt im Jahr 2009, nach Informed Comment: Top Ten Good News Stories from the Muslim World in 2009 That You Never Heard About.

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WSJ: Innovationen aus Indien

Die Gewichte verschieben sich. Die USA werden irgendwann pleite sein, und hinter den Kulissen tobt bereits ihr ökonomischer Machtkampf mit China.

Waren bisher Märkte außerhalb des Westens vor allem Abnehmer westlicher Waren und Technologien, haben sie sich vor allem in der Finanzkrise auch zu einem wichtigen Geldgeber für westliche Firmen gemausert, vor allem in rohstoffreichen Regionen wie dem Golf.

Ein sehr viel nachhaltigeres Zeichen für neue Gleichgewichte beschreibt das Wall Street Journal in diesem lesenswerten Stück: bei ihrem Bemühen, Produkte für die Ärmsten der Welt zu entwickeln, müssen sie indische Firmen so innovativ sein, dass dabei Dinge heraus kommen, die sich auch im Westen verkaufen lassen.

Indian companies, long dependent on hand-me-down technology from developed nations, are becoming cutting-edge innovators as they target one of the world’s last untapped markets: the poor.

India’s many engineers, whose best-known role is to help Western companies expand or cut costs, are now turning their attention to the purchasing potential of the nation’s own 1.1-billion population.

The trend that surfaced when Tata Motors’ tiny $2,200 car, the Nano, hit Indian roads in July, has resulted in a slew of new products for people with little money who aspire to a taste of a better life. Many products aren’t just cheaper versions of well-established models available in the West but have taken design and manufacturing assumptions honed in the developed world and turned them on their heads.



FAZ zu steigenden Investitionen in Afrika

Netter Beitrag in der FAZ: Es spricht sich rum, dass Rohstoffgelder und Entwicklungshilfe nur Diktatoren an der Macht halten und damit Entwicklung blockieren. Investitionen in viele kleine Unternehmen hingegen können vom Machtzentrum schlecht kontrolliert werden und beteiligen neue Unternehmer und Regionen.

Daher kommt die neue Hoffnung für Zentralafrika auch weniger aus der Entwicklungshilfe der Industriestaaten, die demnächst noch massiv aufgestockt werden soll. Hoffnung macht das private Geld, das zunehmend auf den Kontinent strömt: durch Beteiligungsgesellschaften wie die deutsche Altira-Gruppe, die sich in lokale Unternehmen einkaufen. Durch große und kleine Anleger, die sich über Fonds und Zertifikate an lokalen Börsen engagieren. Durch Überweisungen der steigenden Zahl afrikanischer Gastarbeiter im Ausland. Und immer mehr auch durch westliche Unternehmen, die in Afrika Tochtergesellschaften gründen.

Man sollte den Tag nicht vor dem Abend loben, der Artikel ist an einigen Stellen ein wenig zu optimistisch für meinen Geschmack. Aber er zeigt den einzig nachhaltigen Weg für Afrika auf.

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Promille zwischen Ost und West

Mir ist jetzt erst klar geworden, dass es in einem Land mit Alkoholverbot keine Promille-Obergrenze gibt.

Nicht, dass ich als Fahranfänger das persönlich nutze, aber ich mag diese praktischen Widersprüche, wenn Ost auf West trifft.

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Die Geschichte vom Ende des Kolonialismus in drei Minuten

Pedro M. Cruz hat einen faszinierenden kleinen Film produziert der in dreieinhalb Minuten die Geschichte des Kolonialismus einzig mit kleinen und großen Ballons erzählt. Der Film ist ein großartiges Beispiel, wie man mit Hilfe von Visualisierungen einen Ausschnitt der Geschichte anschaulich darstellt. So platzt zum Beispiel die Blase Frankreichs 1960 und viele afrikanische Staaten verabschieden sich in die Unabhängigkeit. Die Portugiesen haben dann noch bis in die Siebziger Jahre gebraucht. Der Film startet 1800 mit vier großen Blasen (Großbritannien, Spanien, Frankreich und Portugal) und endet mit kleinen Ballons in der Gegenwart.

Visualizing empires decline from Pedro M Cruz on Vimeo.


(via datenvisualization.ch)

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China: Arbeitskampf im Internet

Über das große Heer der chinesischen Wanderarbeiter berichten deutsche Zeitungen häufig. Doch weniger bekannt ist, wie chinesischer Arbeiter das Internet zur Organisation von Protesten nutzen. Die LA Times hat vor kurzen hier zu einen interessanten Beitrag veröffentlicht: “Chinese workers use Internet for shoptalk“.

Trotz aufwendiger Zensur gelingt eine Diskussion über das Internet. Foren und soziale Netzwerkdienste schaffen Räume für Koordination und Mobilisierung zum Thema Arbeiterrechte. Nach Aussage der LA Times sind etliche Foren entstanden, in denen Angestellte von Firmen über Arbeitsbedingungen in Fabriken berichten. Teilweise unterstützen dies die Firmen selber.

Reporting from Shenzhen, China - When Jiang Dabao lost his right hand to a molding machine three years ago, his factory boss said he wasn’t eligible for workers’ compensation. Unemployable, Jiang whiled away his days in the Internet bars that thrive here in China’s manufacturing heartland.

Eventually he tapped into an online forum on QQ, a popular social networking service, where he found a workers advocacy group that helped him win a $30,000 settlement.

“Before I got hurt, I had no idea how to use a computer or even the Internet,” said Jiang, who identified himself by his childhood nickname for fear of official reprisal.

Forums such as the one used by Jiang have become the Chinese proletariat’s equivalent of Facebook or Twitter.

Doch so ganz kann ich dem Artikel keinen Glauben schenken, da China einer der effektivsten Zensur-Mechanismen hat und sich Provider und Webseiten Betreiber eifrig selber Zensur betreiben.

Vielen Regierungen sind solche Aktivitäten ein Dorn im Auge, weil sich die Diskussion oftmals ihrer Kontrolle entzieht. Die nigerianische Regierung will dieser Tage mit einer  5 Millionen Dollar Kampagne zur Image Verbesserung der Regierung gegensteuern. Ziel Nummer eins ist die Debatte im sozialen Web positiv zu beeinflussen, weil zur Zeit noch populäre regime-kritische Blogs die Debatte dominieren.

The government has decided to mobilize a few individuals to set up online forums that promise to extend the frontiers of online journalism,” said a security source.

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Der Westen findet sich mal wieder toll

Persönlichkeit hin oder her, der Friedensnobelpreis sollte prinzipiell nicht an US-Präsidenten vergeben werden. Wer weiß, welche geheimen Folterprogramme es jetzt noch in der CIA gibt. Ganz zu schweigen von den Schurkenstaaten, die die USA in aller Welt hofieren.



Die Spaßbadgesellschaft

Während in Bagdad noch gebaut wird, wird in Arbil schon gerutscht. Basra, Sulaymaniyah und Nadschaf ziehen nach. Ein Wettrennen um das tropischste Freibad und das größte Hotel im Irak hat begonnen. Die Frage ist nur: Warum?

Es gibt im Nahen Osten Fulla, die verschleierte Barbie, und es gibt die 99 Comic-Superhelden, die im Stile Batmans, aber im Namen Allahs die Welt retten. Und nun – sehr bald – soll es auch das irakische Pendant zu den beliebten Centerparks Europas geben. Im Irak sprießen die Abkühlung verheißenden Duschpilze aus dem Boden wie die blau gekachelten Freibäder im Nachkriegsdeutschland und die Hotelburgen an der Costa del Sol. Aber damit nicht genug: Golf, Segeln, Beten, alles soll in Tourimusdinar umgemünzt werden.

Das infantile Hochgefühl, das sich dem Deutschen beim Gedanken an den Verzehr von Pommes und Flutschfinger beim Warten an der Wasserrutsche einstellt, schwappt nun auch in den Irak und sorgt aller Orten für Euphorie. Die Investitionsbehörden überschwemmen die Welt mit Plänen, die den Irak zum Tourismus- und Schwimmbadmekka der Region aufbauschen. Als interessierter Beobachter stellt sich die Frage, ob sich das heimelige Bratwurstgefühl als Halal-Version überhaupt realisieren lässt. Denn mit Verwunderung bleibt zumindest festzustellen, dass es an Ausbildungseinrichtungen für Concierges und Köche, Schwimmbadreiniger und Bademeister mangeln dürfte.

Dabei besteht in der wissenschaftlichen Empirie kein Zweifel mehr daran, dass viel und vor allem gute Bildung vor allem, wenn nicht sogar ausschließlich, Gutes tut. Die PISA-Sieger Europas sind demokratischer und partizipativer, handeln gerechter, sind wirtschaftlich erfolgreicher und leben ohnehin gesünder. Liegt das wirklich an der Bildung? Der Verdacht liegt zumindest nahe. Ob das im Nahen Osten genauso ist? Auch dieser Verdacht liegt nahe. Aber Bildung hat noch einen weiteren heilsamen Effekt. Die Neurowissenschaften haben es belegt: Bildung macht glücklich. Lernen stimuliert und erzeugt Glücksgefühle. Nicht das neue Auto und auch nicht die Zinsen auf dem Konto, sondern das „Lernen“, dass es mehr Geld und mehr PS gibt, bringen die Hormone zum Sprudeln. Was also beabsichtigen die irakischen Investitionskommissionen mit ihren Sprudelbädern ohne einen Personalunterbau zu schaffen.

Nun, in den Nachbarländern des Irak hat der Vergnügungswahn schon längst Einzug gehalten und wer möchte es der Region auch nicht gönnen. In der laut New York Times Weltpartyhauptstadt Beirut tanzt die vergnügungsfreudige Jugend auf Särgen in alten Luftschutzbunkern, in Kairo spielt der Golfaraber Black Jack und in Amman, nun, in Amman schaut der Beduine zu. Und genau das hat der Irak satt. Man möchte mitmischen im regionalen Eventzirkus und hat sich den Tourismus ausgesucht, um ein Teil der arabischen Spaßbadkultur zu werden, sei es zum Amusement der Bevölkerung oder dem wirtschaftlichen Erfolg. Es ist also ein dual-use Projekt könnte man ganz neudeutsch sagen. Was dem Szene-Berliner das Blindenrestaurant, ist dem Iraker das Freibad – oder soll dies zumindest werden. Der in den nächsten Jahren zwangsläufig versiegende Ölreichtum wird durch chloriertes Wasser aufgegossen.

Es mag nicht jedermanns Geschmack sein, im Freibad als Frau muslimisch korrekt vollbekleidet ins Wasser zu waten, aber das ist sekundär. Was zählt, ist, dass der Anschluss nicht verloren wird, egal welch absurde Formen er annimmt. Ob das einem Land wie dem Irak weiterhilft, dass wirtschaftlich noch immer vor allem vom Öl abhängig ist und sich gesellschaftlich neu erfindet, ist fraglich. Andererseits haben Brot und Spiele noch immer den Mantel über die quälenden Konflikte einer Gesellschaft gelegt, deren Lösung zu vertagen im autokratischen Nahen Osten Tradition hat. In Ägypten ist die Ausstrahlung des nationalen Fußballs in staatlicher Hand, um den Fußballfans wenn schon keine politische Mitsprache so doch zumindest viele Tore anzubieten.

Es bleibt zu hoffen, dass die irakischen Politiker weisere Entscheidungen treffen und das Fundament für eine nachhaltige und diversifizierte Wirtschaft schaffen. Wenn der Irak über eine Ressource verfügt, die verebben wird, dann ist es die eigene Bevölkerung. Unqualifizierte Arbeitskräfte den Kräften der globalen Tourismuswirtschaft auszusetzen scheint in jedem Fall ein gewagtes Unterfangen zu sein. Und ein gelernter Arbeiter stände zudem sogar noch viel glücklicher mit Eis an der Wasserrutsche.

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Warum ich lieber blogs lese

Blogger leben von ihrer Leidenschaft für ein Thema. Sie verdienen kein Geld. Es gibt viel Mist. Aber eine effektive Qualitätskontrolle: was nicht gut ist, lese ich nicht.

Blogs sind flüchtig. Ihnen fehlen die Rechtsabteilungen der Verleger, die gestandenen Chefredakteure, die der Abmahnwut von Konzernen, die keine Presse- und Meinungsfreiheit wollen, etwas entgegen setzen. 

Trotzdem ist Journalismus anfälliger, weil er Geld verdienen muss. Er braucht Werbung, aus allen Teilen der Welt. Anders kann ich mir dieses Stück im Economist nicht erklären, immer noch eine der angesehensten Publikationen westlichen Journalismus. Dem Artikel fehlt jeglicher Kontext, Hintergrund, und ist PR für das ägyptische Regime:

EGYPTIANS blame their government for many things, but they cannot say it has failed to rise to the threat of swine flu. In May it ordered the mass slaughter of Egypt’s 200,000-odd pigs. Since the summer, masked health officials have screened the country’s airports, hauling some 800 feverish-looking visitors off to quarantine on arrival. In August the government banned anyone under 25 or over 60 from making the pilgrimage to Mecca, in a bid to keep the more vulnerable safe at home.

Das hier ist das zentrale Propaganda-Argument des Regimes, ohne Kommentar übernommen:

But officials point out that nine-tenths of Egypt’s 82m people are squeezed into the Nile valley, an area smaller than Denmark.

Man muss nicht erst Mitchell lesen, um die Lüge zu begreifen.

Da lese ich lieber arabist.net zum gleichen Thema.

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Korruption im Emissionshandel

Interessanter Weise ist der Korruption im Emissionhandel ein Gastbeitrag im TI Korruptionsbericht 2009 gewidmet. Demnach wurden bis 2007 Emissionen im Wert von €40 Mrd. gehandelt. Je nach regulatorischer Ausgestaltung des Markts kann das um fast das dreißigfache bis 2020 steigen. Wo so viel Geld hockt, ist auch Korruption. Warum dieser Markt besonders anfällig sein könnte, habe ich hier schon mal diskutiert.

Die Autoren (Jorund Buen und Axel Michaelowa, Berater aus der Branche) nennen einigen Schwachpunkte und berichten von eigenen Erfahrungen mit Korruptionsangeboten und gefälschten Papieren aus Indien. Vor allem geht es um die Frage, ob ohnehin geplante Projekte leicht als zusätzlich ausgegeben werden, um Gelder zu bekommen.

Offsets are valid and make an effective contribution to reducing carbon emissions only if they are awarded for projects that would not otherwise have taken place. This additionality criterion is diffi cult to ascertain and can provide scope for manipulation. Here there is an ongoing ‘cat and mouse’ game between project developers, who try to get projects that would have happened anyway approved as additional, and the regulators, who have developed detailed rules to prevent such projects from qualifying under the mechanisms. In broader perspective, this underlines the fact that carbon markets are political constructs in which products, values and their distribution are critically shaped by rules and regulations, which as a consequence become the focus of intense lobbying, some of which might degenerate into corruption.

 Die bilaterale Handelsstruktur nennen die Autoren auch:

A final area of concern is the voluntary carbon credit market, in which companies and individuals without formal compliance obligations can buy offsets to compensate for their carbon footprint. While standards have been developed for such markets and most players act responsibly, a lack of regulation poses the risk of fraud – for example, the selling of one and the same emissions reduction to several customers.

Hier gibt’s noch mehr zum Thema

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