Während in Deutschland Blogger und Journalisten eine nicht enden wollende Debatte über das Für und Wider von Web 2.0 führen, werden in anderen Teilen der Welt schon längst an neuen Formen der Berichterstattung gearbeitet. Denn gerade beim Mobiltelefon kommen die spannendsten Innovation selten aus Europa oder den USA, sondern aus Asien und Afrika. Ein Beispiel dafür ist das Projekt Voices for Africa von Africa Interactive. Seit einiger Zeit berichten dort mobile Reporter aus allen Winkel Afrikas mit Hilfe von Mobiltelefonen und tragen zu einer kleinen Medienrevolution bei. Kürzlich hatte ich die Gelegenheit mit einem der Macher hinter Voices of Africa zu reden.

Voices of Africa Website
Die Situation der Medien ist in Afrika von Land zu Land so unterschiedlich, wie die Bedingungen einen Internetzugang zu bekommen. Zum Teil sind die Verbindungkosten höher als in Deutschland, dafür aber das mobile Netz nicht selten besser ausgestattet, als im ländlichen Regionen Deutschlands. Kein Wunder weil der Afrikanische Kontinent die höchstens Wachstumsraten bei Mobiltelefonen hat und dies auch immer häufiger für die Beteiligung im sozialen Web genutzt wird. Bei Voice of Africa beteiligen sich mittlerweile schon über vierhundert afrikanische Journalisten, die mit mit Ihrem Handy Artikel schreiben, Interviews aufzeichnen, oder direkt kleine Sendungen filmen. Das Beste: Die Journalisten, die hier oftmals zusätzlich arbeiten, verdienen bereits ein zusätzliches kleines Einkommen mit ihren Engagement. Hier zum Beispiel ein Beitrag aus Tanzania, der über die hohen Preise während Weihnachten berichtet.
Neben der stetig wachsenden anglo- und francophonen Blogosphäre, entsteht durch solche Projekte eine neue Öffentlichkeit. Am besten hat mir gefallen, dass Mobile Reporters bei AKVO auch direkt von Entwicklungsprojekten berichteten und so eine neutrale Perspektive auf die Arbeit der Organisation brachten. Reuters zeigt in einem Artikel wie eine proffessionelles “Mobile Journalism Toolkit” aussieht. Ein anderes interessantes Projekt von Bürgerjournalismus läuft seit ein paar Monaten im südlichen Afrika: www.citizenjournalismafrica.org.
Seit Jahren blüht die Blogosphäre in Iran. Nicht nur Oppositionelle, sondern bis zum geistlichen Oberhaupt bloggt ganz Iran. Hier werden regelrechte politische Diskurse geführt, aber leider landen auch kritische Stimmen, wie auch andernorts, im Gefängnis. Das Berkam Center for Internet und Society hat zur iranischen Blogosphäre vor einigen Monaten auch eine interessante Studie veröffentlicht:
Mapping Iran’s Online Public: Politics and Culture in the Persian Blogosphere. Dort werden die unterschiedlichen Strömungen beschrieben und an die 60.000 aktive Blogs gezählt:
In contrast to the conventional wisdom that Iranian bloggers are mainly young democrats critical of the regime, we found a wide range of opinions representing religious conservative points of view as well as secular and reform-minded ones, and topics ranging from politics and human rights to poetry, religion, and pop culture.
Vor kurzem hat auch Anthony Löwenstein ein interessantes Buch zu diesem Thema geschrieben: “The blogging revolution”. Zu Iran
meinte er in einem Interview:
Western media is currently in a massive crisis of confidence. Resources are declining, fewer journalists are being employed and localism is being celebrated. It’s therefore not surprising, though regrettable, that so many stories in our press about a place such as Iran is obsessed with Ahmadinejad, terrorism, Iraq or human rights. These are all vitally important issues, but they don’t define the place.
Vor ein paar Tagen habe ich einige Videos der Web2.0 Expo in New York geschaut. Ich fand die meisten Präsentationen interessant, doch irgendwie war ich auch gelangweilt oder enttäuscht, weil das Web wieder über das Web sprach. Doch bei der Präsentation von Tim O’Reilly war ich angenehm überrascht. Bei seiner “Web meets World” Präsentation fragte er in die Runde, ob nicht alle das Web auch für einen besseren Zweck nutzen wollen? Also warum nicht auch das soziale Web oder die kollektive Intelligenz zur Bekämpfung der größten Probleme unserer Zeit nutzen.
Das erinnerte mich ein wenig an die eindrucksvolle Präsentation von Brian Conley bei der Re-publica über “Alive in Baghdad” bei der Robert Basic offen sinnerte: “Was ich aber daraus mitnehme ist die Frage, ob ich wirklich nur mit meinem Blog genug aus den Möglichkeiten mache, die das Netz heute bietet, sich einzusetzen.” Doch es gibt gute Nachrichten. Es bewegt sich was nicht nur in Europa, sondern auch Asien und Afrika. Weltweit vernetzen sich Menschen um das Potential vom Netz zu nutzen. Hier ist eine Liste von Beispielen von Veranstaltungen wie Barcamps:
- Info-Activism Camp nächsten Februar in Indien. Eine spannende Initiative von Tactical Tech, die auch letzte Jahr schon ein Seminar in Kenia zu Aktivismus und Mobiltelefone gemacht haben. Zu dem Barcamp in Indien gbt es eine kleinen Wettbewerb:
Struggling to make an impact on your target audience? Are issues unresolved despite your best efforts? Do the internet, mobile phones or information design present exciting possibilities in advocacy but difficult to take advantage of? The Info Activism camp, to be held in Bangalore, India from February 19 to 25, offers rights advocates the chance to make a greater impact in their work.
- In Großbritannien ist dieses Jahr schon eine ganze Menge passiert. Dazu gehören die UKcatalyst awards, 2gether08 (ein Festival der Ideen und populäre Technologien für den Fortschritt). Im Dezember gibt es auch die zweite Auflag des Social Innovation Camp, wo es im April spannende Projekte, wie “Rate your Prison“, gab.
- In Afrika finden aucimmer häufiger Barcamps statt, wie in Uganda, Kenia und Madagascar. Erik Hersman hat eine detaillierte Übersicht. In der Hauptsache geht es um Technologie und Software, aber auch immer mehr um soziale Veränderung. Letzte Woche fand auch eine Barcamp Afrika in Silicon Valley statt, das Aktivisten beider Kontinente zusammen brachte. ICT4D.at planen ein ähnliches Camp in Österreich.
- Mobileactive08 ist heute gerade zu Ende gegangen. Beim dritten Treffen dieser Art diskutieren hier Teilnehmer aus aller Welt über das Potential des Mobiltelefons zum Beispiel für Menschenrechtsaktivismus.
- In Phnom Penh, Kambodscha fand auch vor kurzem ein Barcamp mit Themen, wie freie und offene Software oder Bürgerjournalismus, statt. Ein Teilnehmer, Thomas Wannhof, berichtet schon vom nächsten Barcamp in Saigon, Vietnam.
- Hier in Deutschland gab es, aufgrund einer Initiative von Stefan Evertz, dieses Jahr das Social Camp, u.a. organisiert von netzpolitik.org und helpedia.org. Die Veranstaltung geht mit der Idee einer Social Bar schon in Verlängerung.
Es ist faszinierend zu sehen, wie hier Menschen weltweit das Potential des sozialen Webs nutzen. Die Mehrheit der Teilnehmer kennen sich in vielen Fällen anfangs erst gar nicht persönlich und treffen sich ehrenamtlich für einen guten Zweck. Gerade die Vielfalt der Expertise und die Ideen der Teilnehmer sind beeindruckend. Die Projekte sind vielversprechend. Besonders erfreulich ist, dass eine solche Vernetzung immer besser länderübergreifend gelingt.
Transparency International hat vor einigen Tagen seinen jährlichen Korruptionsindex vorgestellt. Super Sache, denn die Medien lieben handliche Rankings und berichten aus diesem Anlass zumindest einmal im Jahr über Korruption; zumal sich Transparency International darum bemüht, auch den wichtigen Zusammenahng zwischen niedrigeren FDI (und Wirtschaftswachstum) und Korruption darzustellen.
Man muss den Index aber auch zu lesen wissen, wie das Beispiel Thailand zeigt. In den letzten Jahren der Regierung des ehemaligen Telekom-Tycoons und Premiers Thaksin hat sich Thailand auf dem Korruptions-Index verbessert, wie man dem sehr zu empfehlenden Band Thai Capital after the 1997 Crisis (hrsg. von Chris Baker und Pasuk Phongpaichit) entnehmen kann.
Thaksin hat sein Vermögen in den 90er Jahren gemacht. Sein Telekom-Unternehmen hat über etwa fünf Jahre Milliarden windfall profits einstreichen können, weil die Regulierungsbehörde (TOT), von der er eine Lizenz erworben hatte, andere Unternehmen zu hohen interconnectivity fees zwang (das sind die Gebühren, die Telekom-Unternehmen anderen in Rechnung stellen, wenn deren Nutzer ihr Netz benutzen). In der Telekom-Branche hängen wie in sonst fast keiner anderen Branche die Margen von sehr wenigen Stellschrauben ab, die der Regulierer festsetzt.
Ende der 90er kam Thaksins Geschäftsmodell dann durch stärkeren Druck internationaler Konkurrenz und eine Reform der Regulierung in Bedrängnis. Also ging er in die Politik, um die Regulierung weiterhin zu seinen Gunsten steuern zu können (und die regionale Expansion seiner Unternehmen mit dem Amt des Premiers zu unterstützen).
Da er also seine Geschäfte an höchster Stelle abgesichtert hatte, konnte er seine Wahlkampfversprechen umsetzen, und gegen die Korruption im Verwaltungsapparat angehen. Also verbesserte sich Thailand im Index von TI, der anhand von Befragungen ausländischer Geschäftsleute vor allem diese Bestechlichkeit von gatekeepern in der Verwaltung darstellt. (Die jüngsten Demonstrationen gegen Thaksins Nachfolger zeigen, dass das Volk das durchschaut hat.)
Ich frage mich auch, ob der Index nicht prinzipiell Schwellenländer mit ihrer geringen Rechtstaatlichkeit benachteiligt. Korruption ist da viel offensichtlicher als im Westen, während es hier wegen der größeren (politischen) Rechenschaftspflicht der Verwaltung oft nur Branchenkenner etwas von ihr mitbekommen. In Deutschland werden nur wenige Prozent aller Schmiergeldzahlungen bekannt/geahndet. Daher frage ich mich, ob es um die europäischen Länder in Sachen Korruption wirklich soviel besser als in Entwicklungsländern bestellt ist, wie der Index suggeriert.
Der Libanon hat eine der lebendigsten NGO-Landschaften des Nahen Ostens (weil durch sie im Bürgerkrieg die Hilfe ins Land kam). Ein interessantes paper von Karin Seyfert von der Londoner SOAS zeigt, dass man davon aber nicht vorschnell auf eine starke Zivilgesellschaft in unserem Sinne schließen sollte. Denn die lokalen NGOs arbeiten entlang den konfessionellen Linien des Landes und sind ein Instrument, mit dem die verschiedenen Gruppen eher ihren Klientelismus pflegen, anstatt zu sozialer Veränderung beizutragen. Zunächst NGOs, die Regierungsgelder in nur einer Konfession oder gar Familie ausgaben, dann kamen ab den 90ern die NGOs prominenter Politiker wie Hariri dazu, die so ihre politische Basis enger an sich binden wollten.
Sprich, wenn sich die konfessionellen Gruppen den Staat und seine Resourcen aufgeteilt haben, gilt das auch für den Raum, der sich eigentlich vom Staat abgrenzt, eben die Zivilgesellschaft:
„(…) the historical origins of many Lebanese NGOs are exclusive, geared to serve a specific community, rather than inclusively aiming at a wide variety of people with similar problems”, schreibt Seyfert.
Sie zitiert Studien, die belegen, dass politische wichtige oder umkämpfte Gebiete wie zum Beispiel Beirut mehr NGO-Gelder anziehen als arme Gebiete, wie der Norden des Landes.
Nun ist kaum ein Land so konfessionell und politisch zersplittert wie der Libanon, aber auch anderswo im Nahen Osten kann man lokale NGOs hinterfragen.
Beim ägyptischen Social Fund, den die Weltbank Anfang der 90er gegründet hat, um die sozialen Folgen ihrer Strukturanpassungsmaßnahmen abzufedern, berichten Insider über Korruption bei der Auftragsvergabe und Klientelismus. Er wird trotz der internationalen Gelder kaum NGOs finanzieren, die die Legitimation des Staates oder gar des Regimes in Frage stellen. Trotzdem hat er immer noch einen passablen Ruf in der lokalen donor community.
Der Social Fund ist eben ein willkommener Mechanismus, mit dem man schnell größere Summen Geld ausgeben kann, ohne sich jede einzelne NGO ansehen zu müssen.
Zurück zu dem paper von Seyfert, die am Rande auch Ägypten und Jordanien mit einbezieht. Ein Teil ihres Ergebnisses:
“Resources distributed by NGOs seem not to be disbursed according to the criterion of need but according to considerations of political influence and affiliation. The benevolent, social welfare-maximising concept of a state providing universal welfare is shifting to one of more exclusive provision schemes for a select few through NGOs. However, NGOs themselves, rather than picking up the slack from lacking government services, integrate themselves into political systems and might even reproduce or create clientelist structures.”
Sie fügt noch hinzu, dass das nicht für alle NGOs gilt. Und wenn es christlichen deutschen NGOs leichter fällt, in den Slums von Kairo etwas aufzubauen, wenn ihre lokalen Partner (koptische) Christen sind, dann soll es so sein. Hauptsache das Geld kommt an.
Man stelle sich einen Mexikaner vor, der Vermögen im Wert vom 34,000 US-Dollar hat. In dem Moment, in dem er über den Grenzzaun klettert, und auf der anderen Seite in den USA landet, steigt sein Vermögen auf 418,000 US-Dollar.
Wie das geht? Es handelt sich um immaterielles Vermögen, das die Weltbank in einer (ausnahmsweise mal) klasse Vergleichs-Studie untersucht hat, und die von der Zeitschrift Reason aufgegriffen wurde. Immaterielles Vermögen setzt sich aus verschiedenen Faktoren wie Rechtsstaatlichkeit, Bildung und gegenseitigem Vertrauen in einer Gesellschaft zusammen. Wenn das immaterielle Vermögen einer Person um das fünffache ansteigt (weil sie eine Grenze überquert), ist sie bei sonst gleichen Eigenschaften fünfmal so produktiv. Das gilt auch für die natürlichen Ressourcen: ein Wald an der amerikanischen Westküste in Verbindung mit dem höheren immateriellem Vermögen des Landes (klare Besitzverhältnisse, keine oder weniger Korruption in Katasteramt und Umweltbehörde, vielleicht Erhaltung von Natur als in der Bevölkerung verbreiteter Wert) ist langfristig viel produktiver als, sagen wir mal, der gleiche Wald im Kongo.
In reichen Ländern macht immaterielles Vermögen 80 % ihres Vermögens aus (hinzu kommen noch natürliches Kapital wie Rohstoffe, und produziertes Kapital wie Produktionsanlagen) in armen Ländern aber nur 60 %.
Dieser Zusammenhang macht klar: das sind die Faktoren, an die die Entwicklungshilfe ran muss.
Leider sind genau die oben genannten Faktoren in den vielen autoritär kontrollierten Entwicklungsländern hochpolitisch. Regime, die von Öleinnahmen, Hilfen des Westens etc. leben, haben keinen Anreiz, in Bildung zu investieren. Mangelnde Rechtsstaatlichkeit macht es mißliebigen Unternehmern schwer zu investieren und verhindert, dass die Bevölkerung die Verwaltung zu Rechenschaft ziehen kann.
Wer den Machtkampf in Thailand fast hautnah miterleben will: hier einige blog-Empfehlungen. Sind zwar nur expats, aber bei denen wird oft kontroverser diskutiert.
- Thailand Crisis: anonymer Ökonom, der regelmäßig thailändische Wirtschaftsdaten nach allen Regeln der Kunst auseinander nimmt. Sehr pessimistisch in Sachen Thailand und Zukunft - wie der Name schon sagt.
- Absolutely Bangkok - interessante Debatten über Wirtschaft, Politik, Leben in Bangkok.
- The Lost Boy - im wahrsten Sinne des Wortes, leider. Sehr beliebter blog eines Journalisten, der aber jetzt weiter zieht.
- Es ist nicht alles Politik in Thailand, daher noch…. Bangkok Diaries - weitgehend unpolitischer expat-blog. Experte in Sachen Bars und so.
Afrigadget ist ein spannendes Blog, dass ein faszinierenden Einblick in die Kunst der Improvisation und Innovation von Afrikanern gibt. In dem Blog werden genial einfache, aber auch komplizierte Lösungen für unterschiedlichste Probleme beschrieben. Der neueste Eintrag handelt vom Gemüseanbau in einem Slum in Nairobi. in der informellen Stadtsiedlung von Kibera gibt es wie in anderen Viertel dieser Art ein großes Müllproblem.

Eine lokale Bio-Firma mit dem Namen “Green Dreams” hat die Idee gehabt einen solchen Müllberg in ein Gemüsebeet umzuwandeln. Der Blog Post von Paula beschreibt die gemeinschaftliche Aktion in einer Fotoserie. Nach nur drei Monaten beschäftigt und ernährt der biologische Gemüse annähernd 30 Familien.
Das Beispiel zeigt eindrucksvoll, wie städtischer Raum kreativ genutzt werden kann. Ein ähnliches Projekt in Kenia widmet sich dem Recycling von organischen Abfällen zu Briquettes als Brennstoff. Gerade städtische Ländwirtschaft ist in vielen Ländern eine wichtige Einkommensquelle und wird zum Beispiel in Kuba schon seit Jahren gefördert. Besonders weil die städtische Bevölkerung seit letztem Jahr die Mehrheit auf der Erde bildet. Da passt gut ein Zitat, was ich vor einiger Zeit aufschnappte: Städte lassen sich nicht mehr planen, sondern nur noch verhandeln.
Tolle Initiative bahrainischer blogger. Sie haben zusammen einen Ethik-Code entwickelt, der den Umgang miteinander im web verbessern soll.
In Deutschland, in den USA sowieso, gab es in den letzten Jahren immer mal wieder Debatten um Ethik-Richtlinien für blogger.
In Bahrain hat das aber eine wichtige politische Dimension. In dem Land gibt es immer wieder unterschwellig Spannungen zwischen Schiiten und Sunniten. Die Herrscherfamilie al Khalifa ist sunnitisch, aber die Schiiten stellen die Bevölkerungsmehrheit und fühlen sich politisch marginalisiert.
Jetzt haben couragierte blogger, unter anderem Mahmood’s Den und The Redbelt, den Ethik-Code initiiert - in Kooperation mit Medien und politischen Einrichtungen.
Ich finde das gerade deswegen interessant, weil die Initiative in einem wichtigen politischen Punkt die Zivilgesellschaft der staatlichen Internet-Kontrolle entgegen setzt.
Laut diesem Bericht der Gulf Daily News hat die Initiative sofort Interesse aus aller Welt ausgelöst.
Die englische Version des Ethik-Codes gibt’s hier, auf einer eigens vor einigen Tagen eingerichteten website.
Hier hol ich etwas weiter aus, aber es lohnt sich, sich Gedanken über Athar El Nabi zu machen.
Athar El Nabi ist ein Grosshandelsmarkt für Gemüse und Obst im Zentrum Kairos. In Richtung Maadi. Hier holen die Einzelhändler der Stadt also Wassermelonen und Gurken ab. Auf dem Gelände gibt es auch eine kleine Anlage, die Tierfutter für Kairos Esel zurecht stampft.
Eigentlich ist Athar el Nabi aber etwas ganz anderes: ein Binnenhafen.
Durch dem Staudamm bei Assuan fiel der Nilpegel um einige Meter, und mit dem damaligen Stand der Technik liess sich der Hafen nicht mehr betreiben. Heute geht das längst, und ein ägyptisches Logistik-Unternehmen gewann 2002 eine Lizenz, auf dem Nil samt Athar el Nabi Binnenschiffahrt zu betreiben. (Ein Hafen in Kairo ist dafür wichtig, weil da der Grossteil der Fracht hingeht, die in den ägyptischen Seehäfen ankommt.)
Dann passierte aber jahrelang erstmal nichts. Denn nach und nach haben sich eben die Gemüsehändler auf dem brachliegenden Gelände angesiedelt.
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Nun macht die ägyptische Regierung mal wieder ernst. Etliche Blogger sind schon im Gefängnis und nun trifft es auch Aktivisten, die Facebook nutzen. Doch was ist passiert? Seit Jahren schon nutzt die ägyptische Opposition und Menschenrechtsaktivisten das Internet als “zweite” Öffentlichkeit, um über Menschenrechtsverstösse des Regimes von Mubarak zu berichten.

Im Vergleich zu anderen arabischen Ländern, ist in Ägypten das Internet noch nicht zensiert, doch eine freie Meinungsäußerung im Internet ist längst nicht mehr möglich. So trifft es nun auch Ägypter, die in einer Facebook-Gruppe zum Streik aufgerufen haben. Der Hintergrund sind die steigende Nahrungsmittelpreise und die Inflation in Ägypten. Wegen der Verhaftung hat auch bereits Amnesty International einen Aufruf gestartet.
Mittlerweile laufen vielfältige Protestformen in Ägypten über das Internet, wie Global Voices Advocacy berichtet:
After little less than a month following the April 6 strike in support of the textile workers in Mahalla City, during which a number of prominent Egyptian bloggers and internet activists were arrested, preparations for the next round of a planned general strike to mark the 80th birthday of President Hosni Mubarak, on May 4, 2008, are currently spreading all over the blogosphere and the Internet. And like the preparation for the April 6 strike, the internet has a vital role to play in mobilizing for the upcoming protest. SMS, email, blogs, Facebook, YouTube, Twitter: almost all of these outlets are used by Egyptian Internet activists in their campaign the May 4 event.
Nach Angaben der Washington Post hat die Facebook-Gruppe zum Streikaufruf 64.000 Teilnehmer gewinnen können. Wenn man sich vorstellt, dass in Ägypten Versammlung von einem Dutzend Personen verboten sind, dann wird schnell klar welches Potential hinter der Vernetzung durch Facebook steckt. Dabei bleibt nur zu hoffen, dass Facebook nicht wie andere große Webfirmen mit den jeweiligen Regierungen kooperiert. Die bisherige Firmenpolitik von Facebook gibt kein Anlass zur Freude.
Al Arabiya berichtet, wie die ägyptische Regierung nun systematisch die Aktivitäten der Blogger beobachten:
According to a recent report published by the Egyptian Cabinet’s Information and Decision Support Center (IDSC), Egypt has over 162,000 bloggers [mostly between 20-30 year olds], which constitutes 30 percent of Arab bloggers.
The detailed report raises pertinent questions that require further examination. The efforts invested in investigating the numbers of Egyptian bloggers and gathering information about their activities is a testimony of the growing influence of this segment in society in the political and media spheres – not only in Egypt but in the world.
Geschickt haben Aktivisten in den letzten letzten Jahren immer wieder neue Wege entdeckt, das Netz für ihre Arbeit zu nutzen. Ein Beispiel ist Twitter. Die für manch einen sinnentleerte Quatschbude gibt alarmiert ein Netzwerk, wenn Aktivisten in einer gefährlichen Situation sind und erlaubt in konzertierten Aktionen länderübergreifend zu reagieren. So konnten Menschenrechtsgruppen reagieren, als ein Blogger in einer Polizeiwache in Gewahrsam genommen wurde. Per SMS werden hier quasi weltweit Menschenrechtsorganisationen alarmiert.
Das IOC ist eine Firma, die dieses Mal in und mit China Geschäfte macht. Daher fällt es schwer, ihrem CEO Rogge Naivität abzunehmen. Firmen sind offensichtlich naiv, wenn sie US subprime Papiere kaufen. Aber sie wissen, was sie tun, wenn sie Aufträge an Länder vergeben, die Umwelt und Menschenrechte nicht schützen.
Die Sandkastenspiele von IOC, Medien und KP um Internet und Platz des Himmlischen Friedens sind für mich irrelevant. Viel spannender ist doch, ob die Beijing 2008 Chinas Rolle in der Welt und sich die politische Lage im Land nachhaltig verändert, oder nicht. (So, wie Seoul 1988 das Land geöffnet haben soll.)
Das werden wir zwar erst in einigen Monaten oder Jahren wissen, wenn die Journalisten weiter gezogen sind, aber man kann ja via Global Voices schon mal einige chinesische blogger im Auge behalten.
Lao Humiao berichtet wie immer über Obdachlose und Armenviertel in Beijing
Dailu diskutiert mit Arbeitern die angeordneten Produktions- und Transporteinschnitte
Naughty Lion macht sich Gedanken ueber Prioritäten und Seriennummern einer speziellen Olympia-Banknote
Interessant ist noch das autoritäre Smogexperiment, von dem westliche Forscher bei uns nur träumen können. Bevor wir mit dem Finger auf China zeigen, sollten wir nicht vergessen, dass im Rhein auch lange nichts lebte und unsere Umweltminister auch nicht mehr das sind, was sie mal waren.
Ansonsten, wer trotz allem die Peinlichkeiten des IOCs verfolgen will, dem sei der Blog des Sportjournalisten Jens Weinreich empfohlen. Der hat schon kritisch über Sportfunktionäre aller Art berichtet, als Olympische Spiele noch in Athen (oder war’s Olympia?) stattfanden und man noch ohne Smog von Marathon nach Athen laufen konnte.
Ohne die Details zu kennen, mutet das Urteil des internationalen Schiedgerichtshofs ICSID zum Fall Tansania gegen Biwater komisch an. Der Gerichtshof hat bestätigt, dass Tansania in mehreren Fällen Verträge mit Biwater gebrochen hat, aber konnte in diesem Umstand keine Anrecht auf Schadensersatz erkennen.
Sicherlich macht die Weltbank an manchen Stellen eine Ideologie draus, aber dass private Firmen effizienter arbeiten als Staatsbetriebe, ist hoffentlich unumstritten. Von daher kann ich den Kollegen vom Erlassjahr-Blog nicht ganz folgen, die das Urteil als ein Argument gegen Privatisierungen feiern. (Allerdings teile ich die Meinung, dass Privatisierung und andere Wirtschaftspolitik nicht mit Finanzzusagen verknüpft werden sollten, das bringt nichts.)
Auch andere Beispiele zeigen, dass es im Versorgungs- und Entsorgungsbereich in vielen Ländern am nötigen know-how fehlt (vor allem in Sachen Regulierung). Gleichzeitig torpedieren lokale Öffentlichkeit, der es an Verständnis für die Zusammenhänge fehlt, und vor allem torpedieren Verlierer des Privatisierungsprozesses (altes Management, Regierungsbürokratie) den Neuankömmling.
Ein klasse Beispiel hierfür ist die gescheiterte Privatisierung der Müllentsorgung in Kairo, wo die informellen Müllsammler und die Stadtverwaltung, die beide das Geschäft lieber selber weiter machen wollten (aber eben nur selektiv, während sich niemand um die wenig lukrativen Stadtteile der Armen und schwierigen Industriemüll gekümmert hat), einigen ausländischen Unternehmen das Leben zur Hölle gemacht haben.
Ausländische Investitionen, ohne die kein Land kann, erfolgen eben zunächst vielfach über Privatisierungen. Die sind aber per se politisch, und daher lassen Einzelfälle kaum Rückschlüsse auf ihren Sinn an sich zu.
Ende letzten Jahres kam es in Kenia zu Präsidentschaftswahlen und im Nachgang zu großen Unruhen. Der Wahltag hatte noch sehr hoffnungsvoll angefangen. Kenianische Blogger begleiteten mit Wort und Bild den Wahltag und es sah so aus, als ob die Wahlen friedlich vonstatten gehen könnten und ein demokratischer Wechsel möglich wäre. Doch nachdem bekannt wurde, dass der Amtsinhaber voraussichtlich verloren hatte, kam es im Anschluß zu gewaltsamen Auseinandersetzungen.
Schnell breiteten sich die Proteste landesweit aus. Dabei verlief der Konflikt nicht mehr zwischen den Lagern der Präsidentschaftskandidaten alleine. Die Ausnahmesituation führte auch zu Vertreibungen in dem multi-ethnischen Land. Eine Unterbrechung der Berichterstattung (”Media Blackout”) machte die Lage vollends unübersichtlich. In diesen Tagen bildeten viele engagierte Blogger die einzige Gegenöffentlichkeit, wie auch kurz zuvor in Burma.
Doch meistens beschränkten sich die Berichterstattung auf Nairobi. Das veranlasste einige engagierte Aktivisten, wie Daudi Were, Erik Hersam, Juliana Rotich und Ory Okolloh neue Möglichkeiten von Informationstechnologien zu nutzen, um ein wenig Licht in diese dunklen Wochen zu bringen. Die Idee war einfach und genial: Mit Hilfe von Mobiltelefonen und dem Web einen kollektiven Informationsdienst aufzubauen.

Während nur ein Bruchteil der Kenianer einen Internetzugang hat, besitzt die Mehrheit ein Mobiltelefon. So können Kenianer über SMS aus dem ganzen Land von Zwischenfällen berichten, die direkt auf einer Webseite in einer Karte publiziert werden (Mashup). Die Angaben können direkt kommentiert und widerlegt werden. So kann jeder Internetnutzer auf Ushahidi.com transparent sehen, was gerade und in letzter Zeit geschehen ist. Gleiches wurde auch während der Wahlen in Simbabwe vor kurzem genutzt.
Faszinierend an dieser Idee sind gleich mehrere Dinge. Erstens nutzt die Anwendung geschickt neue Technologien, die auch in Afrika einer Vielzahl zur Verfügung stehen. Zweitens entsteht hier eine Gegenöffentlichkeit, bei der sich jeder engagieren kann. Diese kollektive Nutzung schafft ein einzigartiges Potential für Informationsdienste gerade in Krisensituationen und im Einsatz für Menschenrechte. Drittens zeigt es das Potential und eine neue Dimension von Grasswurzel Engagement.
Außer Frage steht natürlich, dass dies ein erstes Experiment darstellt und noch zu prüfen ist, inwieweit hier der Schutz vor Missbrauch gewährleistet werden kann. Doch diese Nutzung von Informationstechnologie zeigt den Innovationsgeist in Afrika und die langsame Verschiebung der Informationshoheit zugunsten der Bürger.
Als Eisenbahn-Fan sitze ich auf jeden Fall im ersten Zug der geplanten Eisenbahn von Baku nach Kars, die ab 2011 fahren soll. Vorgestern wurde in Kars der Startschuss für den Bau gegeben. Der Kaukasus ist wegen seiner landschaftlichen und politischen Berge eine weitgehend infrastruktur-freie Region, und mehr Kooperation zwischen Aserbaidschan, Georgien und der Türkei würde die Region angesichts des russischen Expansionsdranges gut vertragen. (Armenien fällt allerdings mal wieder unter den Tisch.)
Vor allem: hoffentlich wird Ani damit erschlossen, die alte armenische Hauptstadt in der Nähe von Kars, am Grenzfluss zwischen Armenien und der Türkei. Ich kenne keinen anderen Ort, der so schön und so traurig zugleich ist. Nicht, dass Touristenströme Altertümern immer gut tun, aber damit steigt hoffentlich der Druck auf die türkische Regierung, die Ruinen nicht noch weiter verkommen zu lassen.

Man traut sich kaum, sich von ihnen wegzudrehen, weil sie beim nächsten Hinsehen vielleicht schon nicht mehr da sind.