3.5 Milliarden Kollegen haben kein Bankkonto. 1 Milliarde davon hat aber ein Handy. Also werden in Afrika, Lateinamerika und Asien Bankgeschäfte eben mit dem Handy abgewickelt. Vor allem Überweisungen an die Familie.
Das ist für Telekomfirmen neben den Gebühren vor allem interessant, weil es die Kundenloyalität ungemein erhöht. Orascom Telecom, eine ägyptische Telekomfirma, hat gestern verkündet, dass sie in Pakistan Bankdienste über sein Handynetz anbieten will. Ich frage mich, ob OT damit nur die Infrastruktur anbietet, oder selber ins Bankgeschäft will.
Im Westen funktioniert das mit den Bankgeschäften übers Handy noch nicht. Filialen gibt es an jeder Ecke, und Internet-Banking gibt es auch. Außerdem haben gerade in den USA viele Konsumenten Sicherheitsbedenken.
Zum anderen belauern sich Banken und Telekomfirmen. Es wird spannend zu sehen, wie das Geschäftsfeld zwischen beiden eines Tages aufgeteilt wird, in den Entwicklungsländern wie im Westen. Werden die Banken die Dienste bereitstellen? Oder werden die Telekomfirmen zu Banken? So abwegig ist das nicht. Das Massengeschäft der Banken ist ja heute schon mehr IT als alles andere.
Mehr zum Handy in Afrika hat der Kollege im März gepostet.
Die Ereignisse im Iran haben twitter endgültig auch den breiten Massen geläufig gemacht. Das war gut. Ich war aber eher enttäuscht davon, wie schlecht man über twitter Ereignisse in anderen Ländern verfolgen kann. Und bleibe daher dabei, dass twitter seinen großen Auftritt noch vor sich hat.
Bis dahin liegen seine Stärken woanders, wie dieser Fall zeigt. Der ägyptische blogger Wael Abbas, einer der prominentesten des Landes, wurde am Kairoer Flughafen (der sich langsam zu einer twitter-Hochburg entwickelt, man denke an der Fall der Mutter aus Gaza) festgehalten, und der Menschenrechtler und Publizist Hisham Kassem hat über twitter Anwälte und alles weitere organisiert. Via arabist.net:
It was interesting to see the story unfold from the early morning, when Wael started posting what was happening to him on Twitter, the reaction of the Egyptian Twitosphere, most notably that of Hisham Kassem, the president of the Egyptian Organization of Human Rights (EOHR), a prominent commentator on Egyptian politics and publisher (he was the CEO al-Masri al-Youm at its launch in 2004 till 2007 and previously owned the Cairo Times). Hisham is also a Twitter addict, and it was fascinating to see him provide Wael and the wider community dispatches about his efforts to dispatch EOHR lawyers, talk to security, and try to get Wael out of his situation.
It may not be a Twitter revolution, but it’s a very practical, transparent and engaging way to rally people around a cause. Congrats to Hisham on getting Wael out of trouble and letting us know how it’s done. And Wael, rest well and I hope you get your laptop back soon!
Während in Deutschland Web 2.0 oder das Mitmach-Web bei Nichtregierungsorganisationen immer noch als Extraarbeit mit wenig Nutzen gesehen wird, entstehen andernorts neue Formen des Ehrenamts. In Afrika suchen sich Dörfer weltweit Expertise für ihre Projekte und in den USA kann an sich jeder in einer kurzen Pause mit dem Mobiltelefon nützlich machen.
Im Mai war ich auf einer Tagung der FH Osnabrück zum Thema: Blogs, Communities und das liebe Geld….Wie können Nonprofit-Organisationen das Web 2.0 nutzen? Die Profis aus dem nonprofit-Bereich überlegten und diskutierten, wie sie diese Blogs und sozialen Netzwerke nutzen können. Fundraising stand leider wieder ganz oben auf der Tagesordnung, was die Mitglieder und den Spender oftmals zu passiven Statisten degradiert. Doch es geht auch anders.
Beim globalen Nachbarschaftsnetzwerk Nabuur unterstützen weltweit 14.000 Ehrenamtliche Projekte von Dörfern in Afrika oder Asien. Doch hier suchen sich die Bewohner der Dörfer die Expertise, die sie brauchen. Bei dieser bottom-up Zusammenarbeit geht es um gemeinsames Lernen und um die Sammlung von Mitteln in einer globalen Nachbarschaftshilfe.
Weitere spannende Ansätze sind microvoluntarios.org in Spanien und extraordinaries.org in den USA. In beiden Fällen können Freiwillige sich für eine gute Sache beteiligen. Das können ganz kleine Aufgaben sein, wie Übersetzungen, Design oder Kampagnenvorschläge. Bei den Extraordinaries geht das sogar über das Mobiltelefon mal kurz beim Warten an der Bushaltestelle.
Sigfried Woldhek, ehemaliger Chef von WWF in Holland, war frustriert, dass er Mitgliedern immer nur Spenden als Beitrag anbieten konnte. Deshalb gründete er Nabuur. Diese Form der Einbindung von Mitgliedern war leider kein Thema der obigen Fachtagung. Hier dominierten klassische Ansätze der Öffentlichkeitsarbeit, die jenseits neuer Modelle der Zusammenarbeit im nonprofit Sektor stehen.
Eine Menge mehr geschieht in Großbritannien, wo bereits weiter gehende Projekte laufen. Zum Beispiel Peer-to-Peer Hilfe in London. Freiwillige registrieren sich mit einer bestimmten Expertise zu einem Ort oder Thema. Ein Hilfesuchender in London kann nun eine Nummer anrufen oder eine Nachricht schicken und bekommt automatisch Ratschläge von dem jeweiligen Experten. Das Beispiel und noch viel mehr illustriert dieses Video:
Sheikh kauft ManCity und Robinho. Emir kauft Teil von Porsche oder Volkswagen. Saudischer Milliardär kauft Anteil an HSBC. Nur drei der Schlagzeilen, die Investitionen des golf-arabischen Ölgelds im Westen gemacht haben.
Mit weniger Schlagzeilen läuft eine andere Investitionswelle ab: die Golfstaaten kaufen Land und Landwirtschaftsfirmen in Afrika, dabei konkurrieren sie mit asiatischen Investoren.
Die hohe Inflation und die hohen Rohstoff-Preise der letzten Jahre haben den Golfstaaten, die zudem unter Wassermangel leiden, die Verwundbarkeit ihrer Lebensmittelversorgung vor Augen geführt. Es gibt wenig landwirtschaftliche Flächen. Jetzt wollen sie selber Land besitzen, als strategische Absicherung ihrer Versorgung. Vor allem im Sudan, dessen landwirtschaftiches Potential wenig genutzt ist, sichern sie sich Flächen.
Abu Dhabi hat im Juli 2008 bekannt gegeben, dass es im Sudan 70,000 acres kultivieren will. China and westliche Fonds investieren auch.
flickr.com / youngrobv
Ist das Neo-Kolonialismus? Ich sehe das erstmal nicht negativ. Schlimmer als Kolonialismus und Imperialismus kann es Afrika eigentlich nicht treffen. Investitionen, Zufluß von Kapital und Know-how kann nicht schaden. So hat eine bahrainische Bank ein Abkommen mit einer thailändischen Lebensmittelgruppe geschlossen, um mit dessen Know-How im Nahen Osten und Nord Afrika in Landwirtschaft, Fischzucht und Lebensmittelverarbeitung zu investieren.
Zu befürchten ist aber, dass vor allem die Reichen und die Politiker vor Ort profitieren. Ohne verlässliche Landregister, funktionierende Gerichte und bei weitverbreiteter Korruption nützen ausländische Investitionen immer denselben etablierten Unternehmern und Eliten. Ein Wald in Afrika funktioniert anders als ein Wald in den USA.
Vielleicht wird eines Tages fruchtbares Land so wertvoll wie Öl sein. Dann können die Schwächsten nicht mehr bestimmen, wem ihr Land gehören soll. Die Afrikanische Union fürchtet, dass die Regierungen ihr Land unter Wert verkaufen.
Das schlimmste Szenario wäre wohl, wenn chinesische Bauern Afrikas Böden bestellen, und die lokalen communities außen vor bleiben.
Daher gibt es Widerstand: im März hat Madagaskar, ein Land, in dem seit Jahren politische Konflikte Staat und Regierung davon abhalten, die einmalige Natur des Landes vor Ausplünderung zu schützen, den Verkauf von etwa 1 Million acres — laut einigen Quellen die Hälfte seines fruchtbaren Landes — an Daewoo Logistics aus Südkorea gestoppt.
Qatar’s emir, Sheikh Hamad bin Khalifa Al Thani, may have thought that he had a deal that would help feed his 800,000 people. But he was also about to get a major headache.
In the months since, the proposed land deal in Kenya’s Tana River Delta has been jeopardised by the global economic downturn, tainted by criticism from think tanks, conservationists and civil society and seized upon by locals who have promised to fight it – to the death, if it comes to that.
“No government has ever been able to acquire Tana River Delta land as long as we’ve been alive,” said Omara Kalasinga, a local activist. “No amount of force will get us to give that land to Qatar.”
Kommunikation ist nie ganz tot zu kriegen. Wenn Medien ausfallen, weil der Staat sie zensiert oder ihnen ihre Glaubwürdigkeit nimmt (TV, Zeitungen), treten andere, oft flüchtigere, an ihre Stellen (Predigten, twitter, Gerüchte).
Im Iran gibt es eine Untergrundzeitung, “The Street” – hier ein Auszug dieser Übersetzung:
The ultimate demand of this campaign is far from presidency of Mousavi, even though its official colour is still green.
Velayat-e Faqih or the “Guardianship of the Islamic Jurists” is the red line which Mousavi has expressed he won’t cross – this red line is now being crossed by those wearing green.
No longer can either of the political camps – [reformists and conservatives] – control the streets, however both of them are trying to. One with guns and batons, the other by inviting people to mourn for the dead at mosques – which are traditionally the political powerbase for the Revolutionary Guards and Basiji (the voluntary paramilitary group) who are practicing their aiming skills on the bodies of our brother and sisters.
Streets are dangerous, not just for us but more for them. That’s why they are trying to pull us from the street by inviting us to attend the Friday prayers after we have mourned for our dead brothers and cried over our destroyed homes. Ironically it is Mousavi who is inviting us to attend. To make a joke out of our protest, they are inviting us to attend mosques, because they are scared of “streets” but they should know that “we rely on the streets”.
Wir wissen immer noch nicht, was bei den Präsidentschaftswahlen im Iran eigentlich passiert ist. Was mittlerweile hinreichend klar sein dürfte: wir wissen wenig über den Iran. Ich habe nicht alles gelesen, und einige Medien holen schneller auf als andere, aber ich finde die Berichterstattung dürftig.
Im Iran gibt es, anders als zum Beispiel in Ägypten und Thailand, kein stehendes Pressecorps, das auch in den vier oder fünf Jahren zwischen den Wahlen im Land ist, weil von dort aus auch über die jeweilige Region berichtet wird. Das besteht aus den Korrespondenten der großen Zeitungen und Fernsehanstalten, aber auch einer großen Zahl freier Journalisten. Ich glaube, dass sich in diesem Corps über die Jahre eine große Menge an Wissen und Kontakten zu Behörden, lokalen Journalisten und Experten ansammelt und auch kollegial geteilt wird. Das macht am Wahltag dann den Unterschied aus.
Juan Cole, Geschichtsprofessor und einer der bekanntesten blogger zum Nahen Osten erklärt sehr ausführlich, warum er die iranischen Wahlergebnisse für gefälscht hält, und spekuliert auch, wie die Fälschung abgelaufen sein könnte.
1. It is claimed that Ahmadinejad won the city of Tabriz with 57%. His main opponent, Mir Hossein Mousavi, is an Azeri from Azerbaijan province, of which Tabriz is the capital. Mousavi, according to such polls as exist in Iran and widespread anecdotal evidence, did better in cities and is popular in Azerbaijan. Certainly, his rallies there were very well attended. So for an Azeri urban center to go so heavily for Ahmadinejad just makes no sense. In past elections, Azeris voted disproportionately for even minor presidential candidates who hailed from that province.
Ich war mal in Tabriz, auch auf dem Land drum herum mögen die Leute die Machthaber in Tehran nicht. Die Azeris hatten sich 1979 mit den Händlern und den Mullahs gegen den Schah verbündet, der ihnen nicht mehr Autonomie geben wollte, wurden dann nach vollbrachter Revolution aber ausgebootet.
Insgesamt bin ich von der Berichterstattung der Medien enttäuscht. Sie zeigt, wie wenig wir über den Iran wissen. Es ist ein Land, dass man nur schwierig beobachten kann. Viele Journalisten scheinen nur für die Wahlen angereist zu sein, und mussten sich auf das verlassen, was sie in Tehran zu sehen und hören bekamen. Ahmadenijad muss aber in den letzten vier Jahren seine Machtbasis unter den Armen auf dem Land gefestigt und ausgebaut haben.
Juan Cole meint an dieser Stelle, dass wir wegen der Wahlfälschungen überrascht waren, nicht wegen mangelnder Berichterstattung. Eine sehr lesenswerte Analyse der jüngeren politischen Geschichte des Landes!
Nachdem in den letzten Tagen etwas Wandel in der Luft lag, sieht es jetzt nach Ahmadenijad als Gewinner der iranischen Präsidentschaftswahlen aus. Das sollte den Westen, insbesondere Europa, nicht davon abhalten, die Beziehungen zu Iran zu normalisieren. Es gibt viel zu gewinnen:
In Afghanistan gibt es gemeinsame Interessen. Der Iran will vor allem den Drogenschmuggel über seine Grenzen einschränken. Daran lässt sich anknüpfen.
Bessere Beziehungen zum Iran würden dem Westen anderswo im Nahen Osten wesentlich mehr Spielraum geben. Dabei denke ich weniger an Syrien, Hamas oder den Libanon, als an Saudi-Arabien. Die Saudis könnten dann nicht mehr das Schreckgespenst Iran an die Wand malen. Allerdings hätten sie einen Anreiz weniger, die Ölpreise zu dämpfen. Denn bei niedrigen Preisen kann ihr Erzfeind nicht in seine Energie-Infrastruktur investieren.
Der Iran ist ein großer Markt, der bisher kaum in die Weltwirtschaft integriert ist. Viele Unternehmen scharren schon mit den Hufen. Das würde auch Jobs in Bottrop schaffen.
Der Iran hat nach Russland die größten Gas-Reserven der Welt. Das brauchen wir irgendwann, gerade um weniger von Russland abhängig zu sein.
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Ich hoffe, dass Obama jetzt weiter macht und unabhängig davon die Europäer vorweg gehen.
Ölhandel ist dreckig. Mittelsmänner — oil fixer — helfen Ölpotentaten ihre Vorräte an Sanktionen, Parlamenten und Ogonis vorbei an internationale Ölfirmen zu verschachern. Aber auch wenn die Lizenzen schon vergeben sind, werden Tankerladungen bilateral verhandelt, um den Globus verschifft und zwischendurch zehn Mal weiter verkauft.
Zu den bekanntesten gehören die Rich Boys aus dem Umfeld von Marc Rich, den Clinton am letzten Arbeitstag begnadigt hat.
Interessanter Weise ist laut diesem herausragenden Stück in Harper’s ist einer der wichtigen oil fixer in den Handel mit Emissionsrechten eingestiegen.
Calil himself is still a major operator in the oil business, but he also has diversified into a broader range of industries. He told me that he spends more and more of his time “managing my investments.” One of his most promising investments is a company called Green Holdings, which is in the emerging field of carbon trading: buying the rights to pollute from cleaner businesses and selling them to dirtier ones. The firm has struck deals in China and India, and Calil has traveled regularly to both nations on the company’s behalf, hoping to establish business ties and build political support. It is an ironic turn indeed that Ely Calil, who grew so rich off the excesses of the carbon era, should now stand to profit still more from the long struggle to clean them up.
Eine energieintensive Firma in Deutschland braucht Emissions-Zertifikate? Also schickt sie jemanden in eine russische oder chinesische Kohlemine, und der besorgt sie für alte Maschinen oder wenig Geld. Also eigentlich das gleiche Metier im gleichen Milieu.
Ich frage mich, ob der Emissionshandel zumindest teilweise die gleiche intransparente, bilaterale Struktur haben wird wie der Ölhandel. Und ob er damit zu Lasten von Korruption geplagter Länder geht.
Im Dezember wird es einen UN-Gipfel zum Klima geben, auf dem folgender Wald-Deal diskutiert werden wird: reiche Länder zahlen Gelder an Länder für den Erhalt deren Regenwalds, und müssen dafür ihre eigenen Emissionen nicht oder weniger reduzieren.
Die Idee dahinter: in den Wäldern ist ja Kohlendioxid gespeichert, das die Emissionen ausgleicht. Aber wenn diesen Wäldern auf einen Schlag massive monetäre Werte zugeschrieben werden, kann dies in Ländern mit unklarer Rechtslage, fehlender Transparenz und verbreiteter Korruption dubiose Zwischenhändler und organisierte Kriminalität anziehen, die die Rechte verschachern. Siehe dieses sehr lesenswerte Stück:
There is growing interest from countries and companies in the developed world to buy the rights to the carbon stored in trees as they grow, to offset their own emissions of the greenhouse gas carbon dioxide.
But development and environment groups have long warned that suddenly placing a big value on rainforests could spur friction and even conflict in some developing nations, because of uncertain tenure rights, corruption and inadequate policing.
At a conference on the Indonesian island of Bali last week, Interpol environmental crime official Peter Younger told Reuters he expected fraudulent trading of carbon credits, as organised crime infiltrates the system of companies and countries in the developed world buying rights to the stored carbon.
Interessanter Fall eines belgischen Geschäftsmannes in Qatar, der laut seinem Blog im Land festsitzt, weil er in den Auflösungsstrudel seines lokalen Arbeitgebers geraten ist.
Am Golf werden ausländische Arbeitnehmer von ihren Arbeitgebern “gesponsert” – sie sind ihnen damit ausgeliefert. Der Arbeitgeber behält den Pass ein, verlangt Gebühren für Visas, und der Angestellte kann erst zu einer anderen Firma wechseln oder aus dem Land ausreisen (wie in diesem Fall), wenn der Arbeitgeber einverstanden ist, etc.
Ein Ausbeutungssystem, das schon lange von Menschenrechtsgruppen gebrandmarkt wird. Bahrain will das jetzt als erster Golfstaat abschaffen, um den Wildwuchs auf dem Arbeitsmarkt zu begrenzen (Firmen sponsorn Ausländer, die woanders illegal arbeiten und kassieren dafür als Gegenleistung einen Teil des Gehalts) und die Zahl der ausländischen Arbeitskräfte besser steuern zu können.
Aber andere wie Saudi-Arabien oder die Emirate werden kaum nachziehen – viele Firmen werden in der Region von den Herrschen oder vom Staat kontrolliert, und höhere Arbeitskosten für Ausländer würden also ihre eigenen Gewinne reduzieren.
Der Fall des Belgiers zeigt auch, wie unsicher die Rechtssysteme in der Region sind.
In Ägypten sind Menschen und Schweine schon mal das Gleiche. Fähren werden es dann aussortiert, wenn sie mit Tausend Toten am Meeresboden liegen. Der Sicherheitsapparat arbeitet strikt in dem Bewusstsein, dass der ganz normale Ägypter ein Bürger zweiter Klasse ist: die Öffentlichkeit ist ein Problem, dass man eingezäunt unter Kontrolle halten muss. Nach Katastrophen mit mehreren Hundert Toten hört man in Kairo aus der Oberschicht: “Wir sind sowieso zu viele.”
Zumindest an der Zahl der Schweine haben die Behörden kräftig gearbeitet, denn aus irgendeinem Grund – den ich schon wieder vergessen habe - hieß oder heisst die H1N1-Grippe Schweinegrippe. Also haben sie zu den Messern gegriffen, und den Kopten, die in den informellen Armutsgebieten um Kairo leben, ihre Schweine geschlachtet. Die sind wichtig, weil sie einen Teil des Kairoer Mülls fressen, der in diesen Stadtteilen sortiert und recycelt wird.
Sogar die UN haben da dann mal gesagt: das war “a real mistake”.
Die ägyptischen Behörden haben also nicht mitbekommen, dass Schweine nicht fliegen, sondern die Grippe durch Flugpassagiere um die Welt flog. (Später haben sie dann am Flughafen allen Reisenden das gleiche Thermometer ins Ohr gesteckt – sicherer Weg, Krankheiten zu verbreiten.)
Meiner Meinung nach aus zwei Gründen:
- Bei der Vogelgrippe waren die ägyptischen Behörden völlig überfordert, haben viel zu spät und umständlich reagiert, und sie hat sich wohl bis heute so richtig eingenistet. Also sollte jetzt schnell tabula rasa gemacht werden.
-Die Kairoer (Militär)Verwaltung hatte noch eine Rechnung offen mit den Kopten in den informellen Siedlungen, die ihr schon lange ein Dorn im Auge waren.
In den 90ern hat die Regierung im Herzen Kairos einige informelle Viertel umgesiedelt, um das Land verkaufen zu können. Die Siedlungen um Kairo herum sind ihr auch Ärgernis.
Interessanter Weise haben die informellen Gebiete mit ihren Müllsammlern, die ein wichtiger Faktor in der städtischen Wirtschaft sind, aber unter menschenunwürdigen Bedingungen in Armut und Gestank leben, schon lange die Entwicklungshilfe-Organisationen angezogen. Die wollen die Gebiete entwickeln, die Behörden wollen sie (eines Tages) räumen. Ergebnis: die Projekte funzten nicht.
“Jetzt sind wir seit Jahren hier, und unser größter Erfolg bisher ist es, dass eine neue Schule ausgeschrieben wurde (und nicht direkt an einen Unternehmen vergeben),” hat mir mal ein Entwicklungshelfer gesagt. “Super”, hat er dann noch gesagt.
Die Entwicklungshilfe müht sich da also seit Jahren ohne Ergebnisse ab, und dann nutzen die Behörden den ersten richtig guten Anlass, um kräftig rein zu hauen. Wir sollten unser Geld in anderen Ländern ausgeben.
Ach ja. Am Dienstag gab es dann auch in Ägypten den ersten H1N1-Fall.
Web 2.0 in Afrika? Und dann auch noch in ländlichen Gegenden. Geht das denn? Auch in Afrika wächst das soziale Web und User Generated Content. Eine kleine NGO in Uganda names BROSDI zeigt, was möglich ist. Ich hatte die Chance, Ednah Karamagi vor anderthalb Jahren auf der Web2fordev Konferenz zu hören und war fasziniert, was BROSDI selbst in entlegenden Gebieten auf die Beine stellt.
In einem Artikel des Magazins “Rural 21″ beschreibt Karamagi die vielen Hürden, einen Zugang zum Internet sicherzustellen. Oftmals werden Computer noch als “weiße Elefanten gesehen”, während aber Mobiltelefone längst Alltag sind. Doch das Internet ist oftmals nicht erschwinglich. Die Kosten übersteigen die hiesigen, ganz zu schweigen, dass Uganda immer noch keine Breitbandanbindung hat.
Doch Brosdi versucht, neue Technologien und Web 2.0 für Menschen vor Ort nutzbar zu machen. Ein Schwerpunkt liegt dabei, Bauern mit besseren Informationen über Anbaumethoden zu versorgen und gleichzeitig einen Kanal zu schaffen, bei dem Bauern bei ihren Fragen und Nöten geholfen wird. So kommt es, dass Bauern in Uganda zu Bloggern werden und mittels Text und Audio ihre Erfahrungen im Web publizieren.
BROSDI aims at bridging the gap between the rural person who has limited access to the Internet and the Internet platform. For example, best agricultural practices are captured from the farmers in text and audio form, and are posted on the project blogs. When comments are written, because we know the source of the article commented on, we relay the comment to the source, mainly by telephone, get feedback and post it on the blog. Other methods used are by writing a letter and sending it out either by post or by bus. This method is normally used if the response is lengthy. By doing so, we are able to open up a conversation
flow between two people who do not even know each other.
Das Internet wird somit zur Brücke, dass Bauern aus unterschiedlichen Gebieten Ugandas sich austauschen können und ihr Austausch nicht auf das jährliche Treffen begrenzt bleibt.
Verändert sich die Welt? Ist Twitter der Beginn von etwas Neuem?
Flughäfen sind spannend, aber Kairo hat den, an dem ich nicht 24 Stunden lang bappen bleiben möchte. Analphabeten in Uniform und überall das miserable Angebot der staatseigenen ägyptischen Luftfahrtbranche.
Das ist diese Woche Laila El-Haddad passiert, einer palästinensischen Bloggerin, die in den USA lebt. Wenn es stimmt, dann wissen wir das nur, weil sie getwittert hat. (Aus ihren tweets schimmert das große Dilemma dieser Sicherheitsstaaten durch: sie können keine Entscheidungen treffen.)
Die arabischen Herrscher werden noch lange herrschen. Trotz twitter. Bis wir alle in Elektroautos sitzen, und das dauert bekanntlich noch.
Andererseits, bei den ersten Protesten in Moldawien haben einige schnell von der ersten Twitter-Revolution gesprochen. Das war sicher vorschnell, und es wird immer Menschen brauchen, die vor’s Parlament ziehen.
Aber ich habe das Gefühl, dass twitter bald, in den nächsten zehn Jahren, seinen großen Auftritt haben wird.
arabist, der im nächsten Jahr schon zehn Jahre alt wird, so in etwa, schreibt endlich wieder (neben den täglichen Link-Sammlungen, ein tolles Sammelsurium zum Geschehen im Nahen Osten). Einer der besten Beobachter des Geschehens im Nahen Osten, vor allem Ägypten und Marokko.
Jünger ist Iran in the Gulf, das sich einem meiner Lieblingsthemen widmet. Die komplexen Beziehungen zwischen den arabischen Golfstaaten und Iran stehen für mich im Moment im Zentrum der politischen Lage des Nahen Ostens, vielleicht wichtiger noch als der Konflikt zwischen Israel und Palästinensern.
Auf der Transmedialen in Berlin gab es dieses Jahr einige interessante Präsentationen. Ich war selber leider nicht anwesend, aber habe mir die Tage einige Videos angeschaut. Ein spannendes Projekt geht um Slum TV in Kenia. Biki Kangwana aus Nairobi, Kenia arbeitet an einem offenen Kanal mit dem Namen Slum TV. Dabei engagieren sich Menschen aus “Townships”, die eine alternative kreative Medienberichterstattung anbieten möchten. Hier ist ein Video von der Veranstaltung und ein Beispiel über ein Abwasserproblem:
Außerhalb des Westens bewegt sich was. Die Welt wächst, und sie wächst zusammen. Wir verstehen das als Chance. Menschen in aller Welt profitieren von stärkerer politischer, wirtschaftlicher, sozialer Vernetzung. Das Internet ist ein vielschichtiges Medium der transnationalen sozialen Vernetzung geworden. Wir sind Bridge-Blogger: wir übersetzen und diskutieren die Debatten der internationalen Blogosphäre.